Digital Trust: Strategische Umsetzung für die Schweiz

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Digitale Dienstleistungen werden nur genutzt, wenn sie als vertrauenswürdig gelten. Mit der knappen Annahme der E-ID im September 2025 hat die Schweiz zwar einen wichtigen Schritt gemacht, doch das Ergebnis zeigt auch: Das Vertrauen der Bevölkerung in digitale Lösungen ist keine Selbstverständlichkeit. Das neue Factsheet der SATW legt dar, wo die grössten Lücken liegen und welche Massnahmen Bund, Kantone und Institutionen jetzt ergreifen sollten, damit Digital Trust in der Schweiz Realität wird.

Das Factsheet zeigt mit konkreten Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung und Wirtschaft, wie die Schweiz digitales Vertrauen strategisch aufbauen kann. Bild: Dusan Petkovic, Natthaphon Wanason / iStock.

Worum geht es?

Digital Trust beschreibt das Zusammenspiel von menschlichem Vertrauen, organisatorischen Strukturen und technischer Sicherheit. Das Factsheet richtet sich primär an Entscheidungsträger:innen in Politik und Behörden und überträgt die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie der Digital Society Initiative (DSI) der Universität Zürich zu Digital Trust in der Wirtschaft auf digitale Dienstleistungen der Verwaltung. 

Die zentrale Botschaft lautet: Vertrauen entsteht dort, wo digitale Systeme nicht nur zuverlässig funktionieren, sondern von den Nutzenden auch als fair, transparent und nachvollziehbar erlebt werden. Das Factsheet formuliert Handlungsempfehlungen für drei Zeithorizonte. Diese reichen von sofortigen Massnahmen bis hin zu einer langfristigen Vision für eine schweizweite Vertrauensinfrastruktur. 

«Digitalisierung braucht das Vertrauen der Bevölkerung.» 

Simonetta Sommaruga, ehemalige Schweizer Bundesrätin (2010–2022).

«Das Vertrauen von Nutzer:innen führt zur Akzeptanz und Legitimation von digitalen Systemen.»  

Felix Gille, Hauptautor der Pilotstudie und Digital Society Initiative Postdoc Fellow an der Universität Zürich.

«Dank Swiyu können Gemeinden, Kantone und Bundesstellen bald sicherere digitale Leistungen anbieten.»

Daniel Säuberli, Präsident DIDAS und Managing Partner Accelerat.

Wissenschaftliche Grundlage

Studie: Pilotstudie Digital Trust 

Dieses Factsheet basiert auf einer Pilotstudie der Digital Society Initiative (DSI) der Universität Zürich, die in Kooperation mit der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW durchgeführt wurde. Die Studie untersucht, wie Unternehmen Digital Trust verstehen, fördern und messen. Sie zeigt auf, dass systematische Ansätze noch selten sind. Während die Studie ihren Fokus auf die Bedeutung des digitalen Vertrauens für die Innovationsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft legt, richtet sich das SATW Factsheet primär an Entscheidungsträger:innen in Politik und Behörden. 

Autor:innen der Studie: Felix Gille, Markos Mpadanes, Federica Zavattaro (DSI, Universität Zürich) 

Studie lesen: https://ethics.dsi.uzh.ch/app/uploads/2024/11/Gille-Mpadanes-Zavattaro-2024-Digital-Trust-Report.pdf  

Q&A zum Factsheet

Das Factsheet beschreibt, was Digital Trust bedeutet und warum digitales Vertrauen für die Schweiz entscheidend ist. Es zeigt die aktuelle Ausgangslage – einschliesslich der knappen Annahme der E-ID – und benennt bestehende Lücken wie beispielsweise fehlende nationale Standards und fragmentierte Zuständigkeiten. Darüber hinaus formuliert es konkrete Handlungsempfehlungen für drei Zeithorizonte: sofortige Massnahmen, mittelfristige Strategien und eine langfristige Vision.

Die Volksabstimmung zur E-ID im September 2025 hat mit 50,4 Prozent Ja-Stimmen nur knapp Zustimmung erhalten – bei einer Mehrheit der Stände, die das Vorhaben ablehnten. Das zeigt: Auch bei staatlicher Herausgabe ist das Vertrauen in digitale Lösungen in vielen Regionen gering. Ohne gezielten Vertrauensaufbau riskiert die Schweiz, dass zentrale digitale Projekte wie die E-ID nicht breit genutzt werden.

Das Factsheet empfiehlt ein gestuftes Vorgehen: Kurzfristig (0–12 Monate) sollten Institutionen Digital-Trust-Assessments durchführen, Führungskräfte schulen und erste E-ID-Anwendungen sichtbar machen. Mittelfristig (1–3 Jahre) braucht es verbindliche nationale Standards, einen Ausbau der föderalen Infrastruktur und eine geregelte Interoperabilität. Langfristig (3–5 Jahre) soll eine vollständig interoperable Vertrauensinfrastruktur entstehen, in der «Trust by Design» zum Standard wird.

Es richtet sich primär an Entscheidungsträger:innen in Politik und Behörden auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene. Die Inhalte sind aber auch für Verantwortliche in Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft relevant, die sich mit der Gestaltung vertrauenswürdiger digitaler Ökosysteme befassen. 

Das Factsheet wurde von Manuel Kugler (SATW) verfasst und basiert auf einer Pilotstudie der Digital Society Initiative (DSI) der Universität Zürich sowie auf Gesprächen mit Expert:innen aus der öffentlichen Verwaltung und verschiedenen Institutionen. Es erscheint als Publikation der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW. 

Mitwirkende

Rolle Titel + Name
Text von Manuel Kugler
Editorial staff Esther Lombardini, David Torcasso