Ohne Daten keine Forschung: Wie die Schweiz sich wappnet.

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Hinter jedem wissenschaftlichen Durchbruch stecken Unmengen von Daten. Doch wie kommt man zu den benötigten Daten und wie sorgt man dafür, dass Forschende in Zürich und Barcelona dieselben Datensätze nutzen können? Mit einem neuen Whitepaper zeigt das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), wie es diese Fragen strategisch angehen will – und damit ihre Rolle als vertrauenswürdiger und verlässlicher Partner in der europäischen Wissenschaft untermauert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Forschungsdaten als Gemeingut: Millionen von Messergebnissen, Experimenten und Analysen entstehen jährlich an Schweizer Hochschulen und Forschungsinstituten – oft mit öffentlichen Geldern finanziert. Damit diese Daten nicht in isolierten Systemen verstauben, braucht es gemeinsame Infrastrukturen.
  • Europa baut ein Netzwerk aus Datenplattformen – mit der Schweiz als Teil davon: Die EU hat mit der European Open Science Cloud (EOSC) eine Art «digitale Bibliothek für die Wissenschaft» ins Leben gerufen: ein Netzwerk, in dem Forschende aus ganz Europa sicher auf Daten, Werkzeuge und Rechnerkapazitäten zugreifen können. Im Mai 2026 wurde die Schweiz offiziell als Kandidatin für einen eigenen nationalen Knoten in diesem Netzwerk anerkannt.
  • Keine neuen Silos – sondern bessere Vernetzung: Der geplante Swiss EOSC Node wird kein neues, teures Rechenzentrum auf der grünen Wiese. Stattdessen verbindet er, was bereits existiert: Supercomputer, Datenbanken und Infrastrukturen, die Schweizer Forschungsinstitutionen heute schon betreiben – und macht sie für die europäische Forschungsgemeinschaft zugänglich.
  • Digitale Souveränität stärken: Mit einem Swiss EOSC Node kann die Schweiz Offenheit und Schutz in Einklang mit internationalen Best Practices bringen. Er stellt sicher, dass Daten unter klar definierten Bedingungen zugänglich bleiben, ohne dass dies plötzlichen politischen Einschränkungen unterliegt. Gleichzeitig bietet er ein strukturiertes Umfeld, in dem Institutionen Risiken wie Datenmissbrauch, Cyberbedrohungen oder unbeabsichtigten Wissenstransfer bewältigen können.
  • Jetzt handeln, bevor es zu spät ist: Europa baut die Infrastruktur gerade auf. Wer jetzt mitgestaltet, prägt die Standards von morgen. Wer wartet, muss später Regeln übernehmen, die andere definiert haben.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Eine Klimaforscherin an der Universität Bern hat jahrelang Messdaten gesammelt. Ihr Kollege in Madrid arbeitet an denselben Fragestellungen, hat aber keinen Zugang zu den Berner Daten – und umgekehrt. Beide verwenden unterschiedliche Formate, unterschiedliche Systeme, unterschiedliche Sicherheitsstandards. Das Ergebnis: Doppelspurigkeit, verschwendete Ressourcen und Erkenntnisse, die früher hätten kommen können. Dieses Szenario ist fiktiv, beschreibt jedoch ein reales Problem, das Forschende in ganz Europa täglich erleben. Laut einer Studie unter 1’329 Wissenschaftler:innen gaben rund 60 Prozent an, der fehlende Zugang zu Daten anderer sei ein wesentliches Hindernis für den wissenschaftlichen Fortschritt.

Genau dieses Problem will die European Open Science Cloud lösen. Sie ist ein europäisches Netzwerk von nationalen Datenknoten – vergleichbar mit einem gemeinsamen Stromnetz, das nationale Quellen verbindet, ohne dass ein Land die Kontrolle über seine eigene Infrastruktur verliert. Das SBFI hat heute, gemeinsam mit den wichtigsten nationalen Forschungseinrichtungen, ein Whitepaper veröffentlicht, das den Weg der Schweiz in dieses Netzwerk skizziert.

Ein Knoten für die Schweiz – was bedeutet das konkret?

Ein «EOSC Node» ist der nationale Einstiegspunkt in dieses europäische Datennetzwerk. Wer ihn betreibt, entscheidet mit, welche Daten unter welchen Bedingungen und für wen zugänglich sind. Der Swiss EOSC Node würde bestehende Infrastrukturen zusammenführen – vom Nationalen Hochleistungsrechenzentrum CSCS in Lugano bis zu Switch, dem Netzwerkbetreiber der Schweizer Hochschulen – und sie unter gemeinsamen Standards europäisch anschlussfähig machen.

«Die Frage ist nicht, ob, sondern wie sich die Schweiz an EOSC beteiligen soll. Wer jetzt dabei ist, gestaltet mit – wer zu lange wartet, verliert den Anschluss.»

Manuel Kugler, Programm-Manager Data & AI und Advanced Manufacturing, Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften

Erst der Prototyp, dann der Knoten

Bevor die Schweiz voll in das europäische Netzwerk einsteigt, wird zunächst getestet. Das Projekt SENPro (Swiss EOSC Node Prototype) läuft bis Januar 2027 und erprobt zentrale Elemente eines nationalen Knotens im Kleinen, darunter technische Lösungen, Governance-Ansätze und Kollaborationsmodelle. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen direkt in den Aufbau des echten Swiss EOSC Node fliessen. Das Whitepaper schlägt vor, diesen Weg schrittweise und flexibel zu gehen – angepasst an politische Rahmenbedingungen wie die noch offene Frage der Schweizer Beteiligung am nächsten EU-Forschungsrahmenprogramm 2028–2034.

Das Whitepaper entstand in enger Zusammenarbeit mit einem breiten Kreis nationaler Akteure: ETH Zürich, EPFL, Schweizerischer Nationalfonds (SNSF), swissuniversities, SIB Swiss Institute of Bioinformatics, Swiss Data Science Centre, Paul Scherrer Institut, FORS und den Schweizerischen Akademien der Wissenschaften. Es richtet sich an Entscheidungsträger:innen aus Politik sowie an die wissenschaftliche Gemeinschaft.

Das vollständige Whitepaper steht auf der Website des SBFI zum Download bereit.

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Die SATW und das Whitepaper

Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW war über die Akademien der Wissenschaften Schweiz aktiv an der Entstehung dieses Whitepapers beteiligt. Manuel Kugler, Programm-Manager Data & AI und Advanced Manufacturing, vertrat die Akademien der Wissenschaften Schweiz in der SBFI-Arbeitsgruppe und brachte seine Expertise in die Ausarbeitung der strategischen Empfehlungen ein.

Die SATW setzt sich für eine zukunftsfähige digitale Forschungsinfrastruktur in der Schweiz ein und begrüsst das Whitepaper als wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Forschungsdaten als gemeinsames Gut zu verstehen und koordiniert zu verwalten, ist eine Grundvoraussetzung für wissenschaftliche Exzellenz und technologische Wettbewerbsfähigkeit – beides Kernthemen der SATW.

Mehr zur Arbeit der SATW im Bereich Digitalisierung und Forschungsinfrastrukturen: www.satw.ch

Mitwirkende

Rolle Titel + Name
Text von Claude Naville
Expertise Manuel Kugler