Frühes Handeln für tiefe Emissionen nach 2040: SATW wirkt an internationaler CAETS-Studie mit

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Der internationale Dachverband der Ingenieurakademien CAETS hat am 30. Juni 2026 die Studie «Towards Low-GHG Emissions from Energy Use in Selected Sectors: Looking Beyond 2040» veröffentlicht. 52 Expert:innen aus 24 Ländern zeigen darin, was heute geschehen muss, damit kapitalintensive Industriesektoren nach 2040 deutlich weniger Treibhausgase ausstossen. Die SATW hat die Studie mitgetragen – vertreten durch Rita Hofmann, die in der Arbeitsgruppe Chemieindustrie mitwirkte.

Die zentralen Erkenntnisse

  • Die Weichen werden jetzt gestellt: In Branchen mit langen Investitionszyklen wie Chemie, Zement oder Stahl entscheiden die Investitionen der nächsten Jahre, ob emissionsarme Technologien nach 2040 breit einsatzbereit sind.
  • Sechs Strategien für alle Sektoren: Der bemerkenswerteste Befund der Studie ist, dass über alle sieben untersuchten Sektoren hinweg dieselben sechs «robusten Strategien» – von Bildung und Fachkräften über innovationsfreundliche Rahmenbedingungen und Elektrifizierung bis zum Einsatz von künstlicher Intelligenz gelten.
  • Die Chemieindustrie ist Schlüssel und Baustelle zugleich: Sie verursacht rund 1,5 Gigatonnen CO2 pro Jahr – etwa fünf Prozent der globalen energiebedingten Emissionen – und liefert zugleich die Werkstoffe für die Energiewende und nachhaltige Produkte.
  • Kunststoffrecycling hat viel Potenzial: Bei Verpackungskunststoffen liegt die Recyclingquote heute bei nur rund 16 Prozent. Die Studie fordert rezyklierfähiges Produktdesign, weniger Kunststofftypen und bessere chemische Recyclingverfahren.
  • Beim Zement zählt der Klinker: Er macht nur 10 bis 15 Prozent der Masse von Beton aus, verursacht aber fast 95 Prozent von dessen grauer Energie. Neue Zementrezepturen sind darum der wirksamste Hebel.

Die Studie baut auf einem früheren CAETS-Bericht mit kürzerem Zeithorizont auf und blickt bewusst über das Jahr 2040 hinaus. Weil sich die Zukunft der untersuchten Sektoren nicht sicher vorhersagen lässt, arbeitete das Projektteam mit Szenarien und leitete daraus Strategien ab, die unter möglichst vielen Bedingungen tragen. Untersucht wurden sieben Sektoren: Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung, Öl und Gas, Chemie, Zement, Eisen und Stahl sowie Gebäude und Smart Cities – ergänzt durch Kapitel zu Wasserstoff, CO2-Abscheidung und -Speicherung sowie zur sektorübergreifenden Kopplung.

Schweizer Expertise in der Chemie- und Zementindustrie

Rita Hofmann vertrat die SATW in dem internationalen Projekt. In der Arbeitsgruppe Chemieindustrie erarbeitete sie Szenarien und Strategien für einen Sektor, der vor einem tiefgreifenden Umbau steht: Die Studie setzt unter anderem auf Ammoniak und Wasserstoff als bedeutende Energieträger, auf die Elektrifizierung chemischer Prozesse wie Cracker, auf neue Katalysatoren und Trennverfahren – und auf Investitionen in Nachwuchs und Weiterbildung, damit die Fachkräfte für diesen Umbau überhaupt verfügbar sind.

Als interne Reviewerin prüfte Rita Hofmann zudem das Kapitel zur Zementindustrie, das aufzeigt, wie neue Zementzusammensetzungen und optimierte Betonrezepturen die Emissionen des meistgenutzten Baustoffs der Welt senken können.

Die Studie zeigt eindrücklich, dass die Weichen für die Zeit nach 2040 heute gestellt werden – auch in der Schweiz.

Rita Hofmann, Mitglied SATW

Was die Studie für die Schweiz bedeutet

Die SATW hat die Studie – wie zahlreiche weitere CAETS-Mitgliedsakademien – geprüft und offiziell bestätigt. Die Studie versteht sich dabei nicht als Rezept: Jedes Land soll die Erkenntnisse auf seine eigenen Gegebenheiten übertragen. Für die Schweiz sind die Befunde besonders relevant, wo die Studie ihre Stärken anspricht: eine bedeutende Chemie- und Pharmaindustrie, eine eigene Zementproduktion und Hochschulen, die den geforderten Fachkräftenachwuchs ausbilden.

Die Arbeit geht weiter: Die CAETS-Energie-Community hat bereits ein Folgeprojekt zur Energiesicherheit lanciert, unter der Leitung der indischen Ingenieurakademie INAE. Auch die Frage, wie künstliche Intelligenz zusätzliche Einsichten zu Industriecharakteristiken und Strategien liefern kann, soll weiter vertieft werden.

Über CAETS und die Studie

CAETS (kurz für: International Council of Academies of Engineering and Technological Sciences) ist der internationale Dachverband der Ingenieur- und Technikwissenschaftsakademien. Die CAETS ist eine globale Organisation, in der auch Schwellenländer aus Afrika und Asien sowie fast alle grossen Volkswirtschaften vertreten sind.  Sie bringt führende Fachleute zusammen, um Lösungen für globale Herausforderungen zu erarbeiten. Die SATW ist Mitglied von CAETS.

Die Studie «Towards Low-GHG Emissions from Energy Use in Selected Sectors: Looking Beyond 2040» wurde von der CAETS-Energie-Community erarbeitet. 52 Expert:innen aus 24 Ländern haben daran mitgewirkt, unterstützt von 16 externen Reviewer:innen.

Download der Studie

Mitwirkende

Rolle Titel + Name
Text von Claude Naville
Expertise Rita Hofmann-Sievert