Tage der Technik 2026: Die Schweiz als Raumfahrtnation

Die Tage der Technik 2026 in Lausanne und Dübendorf zeigten, wie Schweizer Forschung und Industrie die Raumfahrt mitgestalten. Der Zuschlag für den International Astronautical Congress 2029 in Genf unterstreicht die internationale Bedeutung des Schweizer Raumfahrtstandorts.

Dr. Florian Kehl (ETH Zurich | Space) bei seinem Referat in Dübendorf. Fotografin: Alina Mutti.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick 

  • Die Schweiz ist eine Raumfahrtnation: Als ESA-Gründungsmitglied prägt sie die europäische Raumfahrt seit Beginn mit. Am ESA-Ministerrat 2025 zeichnete sie Programme für die Rekordsumme von 781 Millionen Euro.
  • Ohne Schweizer Technik fliegt keine Ariane: Schweizer Unternehmen und Hochschulen liefern Schlüsselkomponenten für Trägerraketen, Satelliten und Instrumente. Diese Technologien stecken in Navigation, Telekommunikation und Erdbeobachtung.
  • New Space verändert die Spielregeln: Die globale Weltraumwirtschaft dürfte von rund 626 Milliarden Dollar (2025) auf etwa eine Billion bis 2034 wachsen. Gefragt sind Technologien, die hohe Ansprüche erfüllen und wirtschaftlich herstellbar sind.
  • Old und New Space gehören zusammen: Start-ups bringen Dynamik, profitieren aber von der Erfahrung der etablierten Industrie und vom Zugang zu ESA-Missionen. Erfolg entsteht im Zusammenspiel.
  • Genf holt den Weltkongress der Raumfahrt: Der 80. International Astronautical Congress findet vom 8. bis 12. Oktober 2029 im Palexpo statt. Das ist eine internationale Bühne für den Schweizer Raumfahrtstandort.

Die Schweiz ist eine Raumfahrtnation, auch wenn dies im Alltag wenig sichtbar ist. Als Gründungsmitglied der Europäischen Weltraumorganisation ESA prägt sie die europäische Raumfahrt seit deren Anfängen mit. Schweizer Unternehmen entwickeln Schlüsselkomponenten für Trägerraketen, Satelliten und wissenschaftliche Instrumente. An den Tagen der Technik 2026 diskutierten Fachleute aus Forschung, Industrie und Behörden, wie sich die Branche verändert und welche Perspektiven sich daraus für den Schweizer Innovationsstandort ergeben.

Raumfahrt als Teil unserer Alltagsinfrastruktur

Satellitennavigation, Telekommunikation, Wetterprognosen und Erdbeobachtung sind längst selbstverständliche Bestandteile unseres Lebens. Die dahinterliegenden Technologien bilden eine wichtige Infrastruktur und ermöglichen Anwendungen in zahlreichen Bereichen. Die Tage der Technik 2026 machten deutlich, dass die Schweiz über eine spezialisierte Raumfahrtindustrie und international vernetzte Forschungseinrichtungen verfügt.

Die Veranstaltungen am 22. September in Lausanne und am 24. September in Dübendorf beleuchteten unterschiedliche Aspekte dieser Kompetenz: von der Schweizer Beteiligung an internationalen Raumfahrtmissionen über neue Technologien bis hin zu Materialien, Präzisionsmechanismen und Fernerkundung. Dabei wurde sichtbar, wie wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Entwicklungen in konkrete Anwendungen einfliessen.

Im Themenmonat Space hat auch die SATW diese Themen aufgegriffen und vertieft. Fachbeiträge und Interviews mit Expert:innen widmeten sich sowohl den aktuellen Entwicklungen wie auch deren Bedeutung für die Forschung, Industrie und Gesellschaft.

New Space verändert die Spielregeln

Die Raumfahrt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: Die globale Weltraumwirtschaft erreichte 2025 ein Volumen von rund 626 Milliarden US-Dollar und dürfte bis 2034 auf etwa eine Billion US-Dollar wachsen. Neue kommerzielle Anbieter, veränderte Geschäftsmodelle und standardisierte Systeme eröffnen zusätzliche Möglichkeiten. Damit gewinnen industrielle Fertigung, Automatisierung und wirtschaftlich tragfähige Anwendungen an Bedeutung.

Dieser Wandel stellt auch etablierte Schweizer Unternehmen vor neue Anforderungen. Gefragt sind Technologien, die hohe technische Ansprüche erfüllen und zugleich wirtschaftlich hergestellt werden können. Gleichzeitig entstehen Chancen für neue Unternehmen, die innovative Anwendungen und Geschäftsmodelle entwickeln. Entscheidend ist, die Stärken etablierter Unternehmen mit neuen Ideen und Ansätzen zu verbinden. So waren sich auch die Referierenden an den Tagen der Technik 2026 einig: Old und New Space ergänzen sich. Start-ups bringen Dynamik, profitieren aber von der Erfahrung der etablierten Industrie und vom Zugang zu Missionen und Märkten, den die ESA-Mitgliedschaft eröffnet.

Genf wird zum Treffpunkt der internationalen Raumfahrt

Wie international vernetzt die Schweizer Raumfahrt ist, zeigt auch ein aktueller Erfolg: Die International Astronautical Federation hat Genf als Austragungsort des International Astronautical Congress (IAC) 2029 ausgewählt. Vom 8. bis 12. Oktober 2029 werden sich dort Tausende Fachleute aus Raumfahrtindustrie, Forschung, Politik und Raumfahrtagenturen treffen. Die gemeinsame Schweizer Kandidatur wurde von Swissmem, der Swiss Space Industries Group und dem Swiss Space Office getragen und von zahlreichen Partnern unterstützt. 

Der Zuschlag bietet der Schweiz die Möglichkeit, ihre technologischen Kompetenzen einem internationalen Publikum zu präsentieren und neue Kooperationen anzustossen. Er verdeutlicht zugleich, wie wichtig das Zusammenspiel von Forschung, Industrie und internationalen Partnern für den Raumfahrtstandort ist.

Die Tage der Technik leisten dazu einen Beitrag, indem sie Fachleute unterschiedlicher Disziplinen zusammenbringen und den Austausch über technologische Entwicklungen fördern. Die zwei Veranstaltungen im September 2026 wurden von Swiss Engineering, Swissmem, der SATW, der Empa, der EPFL und dem CSEM organisiert. Gemeinsam schaffen die Partner eine Plattform, um die Vielfalt der Schweizer Technologiekompetenz sichtbar zu machen und Perspektiven für die Zukunft zu diskutieren.

 

Impressionen aus Dübendorf

Die Schweiz im Weltraum

Raumfahrt ist näher, als sie scheint – und die Schweiz spielt dabei eine wichtige Rolle. Im SATW-Themenmonat «Space: Die Schweiz als Raumfahrtnation» finden Sie weitere Geschichten, Entwicklungen und Perspektiven rund um Forschung, Technik und Raumfahrt aus der Schweiz.

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Mitwirkende

Rolle Titel + Name
Text von Christian Holzner