Im April 2026 hat das Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV) ein «Da Vinci Single Port»-System für über 2,3 Millionen Schweizer Franken in Betrieb genommen. Es reiht sich damit neben dem Luzerner Kantonsspital in den kleinen Kreis der Spitäler ein, die über diesen Chirurgie-Roboter der neusten Generation verfügen. Doch die Technologie entwickelt sich laufend weiter: Die Robotergenerationen folgen aufeinander, und die Chirurgie-Robotik ist längst nicht mehr auf die Universitätsspitäler beschränkt. Die Begründung: höhere Präzision, kürzere Spitalaufenthalte, schnellere Genesung, tiefere Folgekosten.
Doch wie lässt sich diese vielversprechende und kostspielige Technologie in unseren Spitälern einführen, ohne die zentrale Frage aus den Augen zu verlieren: Wie nutzen wir die Fortschritte der Chirurgie-Robotik bestmöglich und stellen zugleich einen fairen Zugang zur Versorgung sowie einen effizienten Einsatz der Ressourcen sicher? Die robotergestützte Chirurgie verspricht viel, doch ihr tatsächlicher Nutzen lässt sich bislang kaum systematisch beziffern. Genau dieser Frage widmete sich ein Workshop, den die Swiss Foundation for Innovation and Training in Surgery (SFITS) in Partnerschaft mit der SATW organisierte.
Rund 15 Fachleute folgten der Einladung nach Genf, darunter Chirurg:innen, die mit robotischer Assistenz operieren, Verwaltungs- und Direktionsverantwortliche von Spitälern, Vertreter:innen von Medtronic und Evidone, Versicherungsexpert:innen von CSS und Groupe Mutuel sowie ein Anwalt mit Spezialgebiet juristische Personen und ein Gesundheitsökonom und ehemaliger Staatsrat. Sie repräsentierten die fünf zentralen Interessengruppen der Chirurgie-Robotik – auf Französisch kurz die «5P» (les cinq parties prenantes):
Fachleute aus Medizin, Industrie und Politik verfolgen die Eröffnungspräsentation.
Moderiert wurde der Workshop von Nicolas Sicky (SFITS), der die Diskussion mit viel Fingerspitzengefühl durch die beiden Arbeitsphasen führte und dabei einem konsequent transdisziplinären Ansatz folgte.
In einer ersten Arbeitsphase in Gruppen legte jede Interessengruppe ihre eigene Sicht auf die positiven und negativen Auswirkungen des Einsatzes der Chirurgie-Robotik dar – vom Investitionsdruck über Fragen des Datenschutzes bis hin zur veränderten Beziehung zwischen Behandelnden und Patient:innen und deren Folgen für die menschliche Dimension. So entstand eine erste Übersicht der Auswirkungen – deutlich differenzierter, als es die stetige Verbreitung der Roboter in unseren Spitälern vermuten liesse.
Lazare Benaroyo und Csaba Azau führten diese Elemente anschliessend auf einer gemeinsamen Werteebene zusammen. Sie stützten sich dabei auf die Allgemeine Erklärung der UNESCO über Bioethik und Menschenrechte sowie auf die Methode des Mathematikers und Philosophen Ferdinand Gonseth, dessen «offene Philosophie» (auch Idoneismus genannt) davon ausgeht, dass Erkenntnis nie endgültig feststeht, sondern sich im ständigen Dialog zwischen unterschiedlichen Sichtweisen weiterentwickelt. Auf dieser Grundlage setzten die Teilnehmenden ihren Austausch in Kleingruppen fort und suchten gezielt nach Spannungsfeldern, die die identifizierten Auswirkungen bei der Umsetzung der gemeinsamen Werte erzeugen können.
Die Teilnehmenden vertiefen in Kleingruppen die identifizierten Impact-Kriterien.
Für die SATW veranschaulicht dieser Workshop eine Überzeugung: Nur das Zusammenführen verschiedener Disziplinen erlaubt es, den gesellschaftlichen Impact einer neuen Technologie wirklich zu erfassen. Erst die Verbindung von medizinischem, technischem, ökonomischem, juristischem und ethischem Fachwissen ergibt ein vollständiges Bild und legt die Basis für künftige, wissenschaftlich fundierte Bewertungskriterien.
Die SATW dankt der SFITS für die fruchtbare Partnerschaft und den herzlichen Empfang sowie allen Teilnehmenden für den grosszügigen, offenen und engagierten Austausch. Eine ausführliche Synthese der Ergebnisse ist derzeit in Arbeit; sie wird als Grundlage für einen künftigen Kriterienkatalog zur Bewertung der Chirurgie-Robotik dienen.
Chirurgie-Robotern versteht man computergestützte Systeme, die medizinisches Fachpersonal bei der präzisen Ausführung operativer Eingriffe unterstützen, etwa durch eine stabilere Instrumentenführung oder minimalinvasive Zugänge. Bereits im Technology Outlook 2023 schätzte die SATW das Potenzial dieser Technologie für den Schweizer Werkplatz als gross ein: Die hohen Anforderungen an Präzision und Zuverlässigkeit passen gut zum Schweizer Qualitätsstandard und würden hohe Preise sowie gesunde Margen rechtfertigen. Zugleich hielt der Bericht bereits damals fest, dass Hersteller und Spitäler den wirtschaftlichen Nutzen neuer Anwendungen aufwendig nachweisen müssen.
| Rolle | Titel + Name |
|---|---|
| Text von | Fabienne Marquis Weible |