KMU Cybersicherheit 2026: Cyberkriminalität ist für Schweizer KMU eine ernstzunehmende Bedrohung

Cyberkriminalität ist für Schweizer KMU zur erstzunehmenden Bedrohung geworden. Vier von fünf KMU erwarten zudem, dass künstliche Intelligenz die Bedrohung weiter verschärft. Die Studie «KMU Cybersicherheit 2026» unter Mitarbeit der SATW zeigt, dass viele Unternehmen zwar technisch gut geschützt sind, bei Schulungen, Notfallplänen und Sicherheitsaudits jedoch weiterhin Lücken bestehen.

Die grosse Mehrheit der KMU blieb in den letzten drei Jahren von schweren Cyberangriffen verschont. 6 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen waren jedoch 2026 betroffen, zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Am häufigsten berichten KMU im Zusammenhang mit Cyberangriffen von grossem Aufwand für die Schadensbehebung und von emotionaler Belastung. Finanzielle Folgen werden erst an dritter Stelle der erlittenen Schäden genannt. Bei Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitenden liegt der Anteil betroffener Unternehmen mit bis zu 16 Prozent deutlich höher.

Trotz einem relativ tiefen Anteil an direkt betroffenen Unternehmen, betrachten fast neun von zehn KMU Cyberkriminalität als ernstzunehmendes Problem. 81 Prozent erwarten zudem, dass Cyberkriminelle künstliche Intelligenz künftig verstärkt für Angriffe nutzen.  

Technisch sind viele KMU gut aufgestellt: Über 80 Prozent installieren regelmässig Software-Updates, neun von zehn erstellen Backups, und die Mehrfaktor-Authentifizierung ist vielerorts Standard. Lücken bestehen jedoch bei den organisatorischen Massnahmen. Nur rund ein Drittel schult die Mitarbeitenden regelmässig, Notfallpläne und Sicherheitsaudits sind noch seltener. Und nur rund jedes vierte KMU testet, ob sich seine Backups im Ernstfall zurückspielen lassen. 

Die gute Nachricht ist, dass Cybersicherheit nach einem Rückgang im Vorjahr ab 2026 für KMU wieder an Bedeutung gewinnt. 46 Prozent der KMU stufen das Thema als wichtig oder sehr wichtig ein, und immer mehr Unternehmen regeln explizit, wer für die Cybersicherheit zuständig ist. Ausserdem wird Cybersicherheit zunehmend als Führungsaufgabe verstanden.

Wie können sich KMU besser schützen?

Aus den Ergebnissen leitet die Studie eine Checkliste für KMU ab, die sowohl technische als auch organisatorische Cybersicherheitsmassnahmen umfasst. Die wichtigsten Massnahmen aus technischer Sicht sind:

  • Technische Grundlagen absichern: Beinhaltet u.a. regelmässige Updates von Betriebssystemen, Firewalls, den Einsatz von Mehrfaktor-Authentifizierung oder die Verwendung von Passwortmanagern.

  • Daten schützen: Umfasst z.B. die regelmässige Sicherung von Daten und die Überprüfung der Gültigkeit der gemachten Backups oder die Verschlüsselung von Geräten und sensiblen Daten.

  • Infrastruktur absichern: Betrifft u.a. die Verwendung von VPN-Lösungen oder biometrischen Login-Verfahren aber auch die Überwachung des Datenverkehrs und die Segmentierung kritischer Netzwerksysteme.

Bezüglich organisatorische Cybersicherheitsmassnahmen werden folgende Empfehlungen gemacht:

  • Mitarbeitende sensibilisieren: Darunter fällt z.B. die Einführung verbindlicher Passwortregeln, die Vertrauensprüfung von E-Mails und Dokumenten oder die regelmässige Schulung von Mitarbeitenden. 

  • Strukturen und Verantwortlichkeiten schaffen: Meint die eindeutige Festlegung der Verantwortlichkeiten bezüglich Cybersicherheit im Unternehmen, die Inventarisierung der IT-Infrastruktur oder die Organisation des IT-Sicherheitssupports. 

  • Resilienz erhöhen: Beinhaltet z.B. die Erstellung eines Notfallplans, die Definition der Zuständigkeiten für Krisenfälle oder die Meldung von Cybervorfällen beim BACS.  

  • Risiken regelmässig überprüfen: Dazu gehört die Bewertung der Cybersicherheit von Lieferanten, die Klassifizierung von Daten nach Schutzbedarf oder die Prüfung der digitalen Abhängigkeit von einzelnen Dienstleistungsanbietern. 

Cyberresilienz bedeutet nicht nur, Angriffe zu verhindern, sondern nach einem Vorfall handlungsfähig zu bleiben. Wer technische Schutzmassnahmen mit klaren Zuständigkeiten, geschulten Mitarbeitenden und einem erprobten Notfallplan verbindet, stärkt schliesslich auch die Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens.

Q&A zur Studie

Die Studie zeigt, wie Schweizer KMU im Jahr 2026 Cyberrisiken einschätzen, wie stark sie betroffen sind und welche Schutzmassnahmen sie umsetzen. Zudem beleuchtet sie das Thema digitale Souveränität.

Die Mobiliar gemeinsam mit dem Bundesamt für Cybersicherheit BACS, digitalswitzerland, der HES-SO Valais-Wallis, der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich und der SATW. Die Befragung führte YouGov durch.

Vom 24. Juni bis 10. Juli 2026 wurden 507 Geschäftsleitende von KMU mit 1 bis 49 Mitarbeitenden online befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für rund 614’400 Schweizer KMU in allen Landesteilen. Das Vertrauensintervall liegt bei ±4,4 Prozentpunkten.  

6 % der befragten KMU erlitten in den letzten drei Jahren einen schwerwiegenden Cyberangriff, hochgerechnet entspricht das über 35’000 Unternehmen. 7 % wurden bereits einmal erpresst, was hochgerechnet rund 45’000 KMU entspricht. 

81 % der KMU erwarten, dass Cyberkriminelle KI verstärkt für Angriffe nutzen. 

Bei den organisatorischen Massnahmen: Mitarbeiterschulungen, Notfallpläne, Sicherheitsaudits, die Prüfung von Lieferanten und das Testen von Backups. Technische Grundlagen wie Updates, Backups und Mehrfaktor-Authentifizierung sind dagegen weit verbreitet. 

An Geschäftsleitungen von KMU sowie an Entscheidungsträger:innen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, die sich mit der Cyberresilienz der Schweizer Wirtschaft befassen. 

Die SATW greift im Auftrag des Bundes technikpolitisch relevante Themen auf. Cybersicherheit ist eines ihrer Schwerpunktthemen. Mit der Studie trägt sie dazu bei, die Cyberresilienz der KMU als Rückgrat der Schweizer Wirtschaft zu stärken. 

Mitwirkende

Rolle Titel + Name
Text von Tobias Schlegel