Wie stellen wir die Ernährung und Gesundheit von 10 Millionen Menschen in der Schweiz und 10 Milliarden Menschen weltweit sicher?

«Die nachhaltige Sicherung der Gesundheitsversorgung und die Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln ist eine komplexe Aufgabe, die umfassende und vielschichtige Lösungen erfordert», sagte Prof. Benoit Dubuis, Präsident der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW, bei der Eröffnung des Jahreskongresses 2024.

An der Veranstaltung bei Nestlé Research in der Nähe von Lausanne, an der 180 Personen teilnahmen, diskutierten prominente Gäste über beide Themen. Ein Grusswort von Bundesrat Guy Parmelin und die Ehrung der neuen SATW-Mitglieder rundeten das Programm ab.

Dem Jahresthema der Versorgungssicherheit folgend, konzentrierte sich der SATW-Jahreskongress auf die Verbindung zwischen Gesundheit und Ernährung. Er beleuchtete neue Ernährungstrends und wie sie mit der Medizin zusammenhängen und ihr nützen. Insbesondere wurde die Bedeutung von technologischen Innovationen zur Überwindung von Versorgungsengpässen hervorgehoben.

Eröffnet wurde der Kongress mit Beiträgen von Bundesrat Guy Parmelin (Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF) sowie Dr. Mark Schneider (CEO Nestlé). «In den 1860er Jahren, als Nestlé gegründet wurde, halfen wir, eine der grossen damaligen Herausforderungen zu bekämpfen – die Kindersterblichkeit. Heute stehen wir vor der riesigen Herausforderung, die bald 10 Milliarden Menschen auf der Welt gesund und nachhaltig zu ernähren, wobei die Gesellschaft sowohl in der Schweiz wie auch global zusehends älter wird», führte Schneider aus.Das Ziel von Nestlé sei es, sagte Schneider, zu einem gesunden Altern beizutragen – mit Produkten, die sich verändernden Ernährungsbedürfnissen Rechnung tragen und die Grenzen unseres Planeten respektieren. Bundesrat Guy Parmelin betonte die Schlüsselrolle der SATW innerhalb des Netzwerks der Schweizer Akademien a+ bei der Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in konkreten Nutzen für die Schweizer Gesellschaft.

Funktionelle Lebensmittel: Brücke zwischen Ernährung und Medizin

Im ersten Teil des Kongresses analysierten die Referenten die Bedeutung von funktionellen Lebensmitteln im Zusammenhang mit der Gesundheit. Können sie als Alternative, präventiv oder als Ergänzung zu Medikamenten eingesetzt werden? Prof. Stefan Palzer (CTO von Nestlé), Prof. Marcel Salathé (akademischer Co-Direktor des EPFL AI Center) und Prof. Jan Wörner (Präsident der Deutschen Akademie für Technik, Acatech) gaben wertvolle Einblicke.

Der Gedanke «Du bist, was du isst», wurde durch die Tatsache veranschaulicht, dass neben der Nase der Mund der wichtigste Weg in den Körper ist - und dass ein durchschnittlicher Mensch im Laufe seines Lebens nicht weniger als 65 Tonnen Lebensmittel und Getränke zu sich nimmt.
Stefan Palzer betonte in diesem Zusammenhang die Rolle von Lebensmitteln bei Gesundheit und Krankheiten: «Es gibt ein grosses Potenzial, um nationale und globale Gesundheitsziele zu erreichen und spezifische Gesundheitsprobleme durch die richtige Ernährung - einschliesslich funktioneller Lebensmittel - für den Einzelnen anzugehen». Funktionelle Lebensmittel könnten helfen eine Brücke zu schlagen zwischen Medikamenten und traditionellen Lebensmitteln.

Krankheitsprävention durch AI-Ernährungsberatung

Es folgte eine Podiumsdiskussion mit Prof. Laurence Genton (Leiterin der Abteilung für klinische Ernährung am Universitätsspital Genf), Prof. Stefan Palzer (CTO von Nestlé), Prof. Marcel Salathé (akademischer Co-Direktor des KI-Zentrums der EPFL) und Prof. em. Erich Windhab (ETH Zürich, Vollmitglied der SATW). Das Podium konzentrierte sich auf das Thema KI-Agenten, die gesunde Ernährungsentscheidungen unterstützen sollen. Sie sollen kulturelle Unterschiede berücksichtigen und die Lebensmittelverschwendung vom Feld und der Fabrik bis zum Tisch reduzieren helfen. Die Doppelbelastung der Unter-, beziehungsweise Überernährung von grossen Teilen der Weltbevölkerung zeige, dass globale Ernährungs- und Gesundheitsinitiativen, angeführt von der UNO, die Gesundheit von uns allen und die des Planeten Erde verbessern müssten.

Marcel Salathé konzentrierte sich auf einen ähnlichen Aspekt der Ernährung als Ergänzung zur Medizin. KI-gesteuerte epidemiologische Daten werden zeigen, was die Menschen rund um den Globus als gesunde Lebensmittel ansehen und welche Auswirkungen diese Lebensmittel auf ihre Gesundheit haben, erklärte er. In Zukunft könnten mithilfe von KI praktikable Modelle für die Prävention von Krankheiten definiert werden. Eine globale Überwachung der Ernährung durch KI-Life-Coaches - z. B. in Handy-Apps, die Mahlzeiten vorschlagen und Essgewohnheiten verfolgen - könnte die öffentliche Gesundheit deutlich verbessern und gleichzeitig die Kosten im Gesundheitswesen senken. Die Akzeptanz digitaler Werkzeuge zur Personalisierung der Ernährung und zur Überwachung der Gesundheit wird von ihrer Gestaltung, Datensicherheit und Vertrauenswürdigkeit abhängen.

Medizinische Versorgungssicherheit: Souveränität, Erschwinglichkeit, Nachhaltigkeit

Im Zusammenhang mit einem weiteren Hauptthema des Jahreskongresses untersuchte das zweite Panel Strategien zur Sicherstellung der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten in der Schweiz und weltweit. Es beleuchtete auch die Handlungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Produktionssouveränität und der raschen Reaktion auf eine mögliche nächste Gesundheitskrise.

Prof. Patrick Aebischer (ehemaliger Präsident der EPFL und stellvertretender Vorsitzender des GESDA-Verwaltungsrats), Dr. Catharina Boehme (stellvertretende Generaldirektorin für Aussenbeziehungen und Governance bei der WHO) sowie Dr. Jean-Marc Chappuis (stellvertretender Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft) wurden von Christina Senn-Jakobsen (CEO, Swiss Food & Nutrition Valley) und Dr. Ian Roberts (CTO Bühler Group) begleitet und konzentrierten sich auf die Bereitschaft der Schweiz, Impfstoffe zu kurzfristig und nachhaltig zu produzieren, um der nächsten Pandemie zu begegnen.

Catherina Boehme betonte die Bedeutung von öffentlich-privaten Partnerschaften bei den verschiedenen Unternehmungen zur Lösung der anstehenden Probleme. Das zweite Podium war sich einig, dass wir den Lebensmitteln als Präventionsmittel viel mehr Bedeutung beimessen müssen. Lebensmittel und Pharmazeutika scheinen sehr unterschiedliche Bereiche zu sein, aber die Vorteile der beiden Bereiche verstärken sich zunehmend gegenseitig.

14 neue Mitglieder in die SATW aufgenommen

Mit der formellen Aufnahme der neuen Mitglieder endete der SATW-Jahreskongress 2024 in einem festlichen Rahmen. Für das laufende Jahr hat die SATW 14 neue Vollmitglieder in ihr Netzwerk gewählt, womit sich die Gesamtzahl der Vollmitglieder auf 375 erhöht, sowie zusätzliche 9 Ehrenmitglieder. Sie alle verfügen über einen beachtlichen Leistungsausweis in Ingenieurwissenschaften, darunter auch die neu gewählte Präsidentin der EPFL, Prof. Anna Fontcuberta i Morral. Beim Farewell-Apéro, meisterhaft von Nestlés R&D-Chefs zubereitet, wurde angeregt und intensiv diskutiert.

Impressionen