Detail

EDUCAMINT TIPP

"Ihr seid gar nicht wie ein Museum!"

Museum für Kommunikation Bern | 
Erlebniswelt Kommunikation

Das Museum für Kommunikation hat sich rundum erneuert. Nach fünf Jahren Planungszeit und einem Jahr Umbau ist das Museum wieder offen. Spielerisch und lehrreich können die Besucherinnen und Besucher in mehrere Erlebnisstationen eintauchen. Die Direktorin Jacqueline Strauss ist stolz auf die Neuausrichtung.

Frau Strauss, was unterscheidet das Museum für Kommunikation von einem klassischen Museum? Was macht es anders?

„Ihr seid gar nicht wie ein Museum!“ Dieses Kompliment höre ich tatsächlich häufig, weil wir nicht dem verstaubten Klischee entsprechen. Es ist nicht ein Museum über die Kommunikation, sondern ein Museum, in dem die Kommunikation direkt erlebbar ist. Unser Konzept lässt sich mit drei E zusammenfassen, wobei die Reihenfolge entscheidend ist: E wie Erlebnis, E wie Erfahrung, E wie Erkenntnis.

Wen möchten Sie als Gäste haben?

Wir haben drei Zielgruppen. Das sind Familien im weitesten Sinn, von Grosseltern mit ihren Enkeln bis zu Patchworkfamilien. Dann Schulklassen, insbesondere die oberen Stufen bis und mit Berufsschulen und Gymnasien. Und unsere Ausstellung ist spannend für Menschen mit speziellen Interessen von Kultur, über Kommunikation bis Technik. Darüber hinaus sind wir vom touristischen Potenzial überzeugt. Unser innovatives Konzept haben wir mit international renommierten Szenografen umgesetzt.

Was erleben und erfahren die Besucherinnen und Besucher im Museum?

Wir haben viele Erlebnisstationen. Diese sind spielerisch und zum Ausprobieren. Ein Hit ist etwa das Filmkaraoke. Da können Sie bekannte oder unbekanntere Filmszenen nachspielen oder nachsprechen, dann aufnehmen und im Raum veröffentlichen. Aus unserer Sammlung zeigen wir spannende Objekte mit überraschenden Geschichten, z.B. das ausgebrannte Fluchtfahrzeug vom Jahrhundertpostraub in Zürich vor 20 Jahren oder das Smartphone von Alain Berset, mit dem er das erste Bundesratsselfie überhaupt geschossen hat. Je nachdem wie wieviel Zeit man hat, kann man im Museum „herumsurfen“ oder sich in ein Thema vertiefen.

Woran werden sich die Besucherinnen und Besucher nach dem Museumsbesuch erinnern?

Ich könnte mir vorstellen, dass es die persönliche Begegnung mit einem unserer Kommunikatoren oder Kommunikatorinnen sein wird. Wir haben nämlich einen neuen Beruf erfunden. Ein Kommunikator hat immer eine Überraschung bereit; wenn er etwa das Tü-Ta-Too des Posthorns erklingen lässt, heisst es „Ohren zuhalten“.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Dass unser Museum offline wie online auf der Höhe der Zeit ist. Das heisst, der direkte Austausch mit dem Besucher ist für uns sehr wichtig. Gleichzeitig haben wir eine Zone, die sich Big Data widmet. Dort werfen wir all die brennenden Fragen auf zur digitalen Transformation. Zum Beispiel: „Was hinterlassen wir für Spuren im Internet, wie klingt Big Data oder was haben wir im Darknet eingekauft?“

Was ist der nächste Schritt des Museums für Kommunikation?

Die neue Kernausstellung wollen wir bis 2030 zeigen. Sie wird wachsen und wir werden immer wieder aktuelle Entwicklungen thematisieren. Wir nennen das „dynamisch kuratieren“. Zudem haben wir eine Strategie für ein digitales Museum für Kommunikation formuliert. Bei der Umsetzung sind alle Bereiche beteiligt vom Betrieb, über Sammlung und Kommunikation bis zu den Ausstellungen. Die digitale Transformation gilt bei uns doppelt. Einerseits für den eigenen Museumsbetrieb, andrerseits auch als Thema, das wir in vielfältiger Weise dem Publikum präsentieren.

Museum für Kommunikation