Künstliche Intelligenz

Intelligent aus Erfahrung

Alessandro Curioni und Patrick Ruch (IBM Research – Zurich)

Künstliche Intelligenz (KI) ermöglicht Computern und Maschinen, die Prozesse des menschlichen Gehirns in Bereichen der Wahrnehmung, des Lernens, der Erarbeitung von Lösungsansätzen und der Entscheidungsfindung nachzuahmen. Man unterscheidet oft zwischen schwacher KI, welche auf die Lösung konkreter Anwendungsprobleme fokussiert ist, und starker KI, welche über verschiedene Aufgabengebiete hinweg mit menschenähnlichen intellektuellen Fähigkeiten handeln kann.

So sieht es heute aus

KI konnte in den letzten zehn Jahren mehrere bahnbrechende Innovationen verzeichnen – wie das Erkennen von Bildern, das Spielen komplexer Brettspiele und das Beantworten von Fragen in natürlicher Sprache in Quizshows. Die meisten dieser Durchbrüche basieren auf einer bestimmten Art des maschinellen Lernens, die als Deep Learning bezeichnet wird. Heute sind viele ausgereifte Anwendungen verfügbar, die von Gesichts-, Gesten- und Spracherkennung über personalisierte Empfehlungsdienste bis hin zu Wirkstoffentdeckung und medizinischer Bildanalyse reichen.

Die Schweiz nimmt in der KI-Forschung und ihrer praktischen Anwendung eine Vorreiterrolle ein. Es ist nötig, Richtlinien einzuführen, um Anspruchsgruppen transparent über die Vorteile und Risiken von KI zu informieren und einen regulatorischen Rahmen zu schaffen, der eine sichere, vertrauenswürdige und ethische KI gewährleistet. Darüber hinaus ist der Erwerb der erforderlichen Kenntnisse in Entwicklung und Einsatz von KI-Technologien durch die Arbeitnehmenden entscheidend für die erfolgreiche Einführung von KI in Schweizer Unternehmen.

Ein Blick in die Zukunft

Es wird erwartet, dass die Präsenz von KI in unserem Alltag kontinuierlich zunehmen und in den Bereichen Nachrichtenkonsum, personalisierte Dienstleistungen, intelligente Systeme zu Hause oder am Arbeitsplatz sowie soziale Netzwerke zur Normalität wird. In diesem Sinne ist es schwer vorstellbar, dass irgendeine Branche nicht auf die eine oder andere Weise von KI betroffen sein wird. Unternehmen, die KI-Technologien erfolgreich einsetzen, können davon ausgehen, dass sie auf zwei Ebenen profitieren: erstens durch die Verbesserung der Effizienz interner Prozesse durch KI-gestützte Automatisierung und zweitens durch die Einbettung von KI in Produkte und Dienstleistungen, um Kundinnen und Kunden wie auch Geschäftspartner besser bedienen zu können. Dementsprechend muss sich das Qualifikationsprofil der Mitarbeitenden ändern und die Industrie muss sich anpassen. Für die Gesellschaft wird im Zuge zunehmender verbraucherorientierter Dienstleistungen mit KI-Unterstützung und mit einem verstärkten Fokus auf die Nutzung personenbezogener Daten das Bedürfnis nach mehr Transparenz in Bezug auf die KI-Technologie zunehmen.

Politik und Unternehmen in der Schweiz können es sich nicht leisten, KI zu ignorieren. KI ist in Bezug auf die Automatisierung von Geschäftsprozessen, die Mensch-Maschine-Interaktion und die Gewinnung wichtiger Erkenntnisse aus Big Data disruptiv. Unternehmen müssen die KI nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Andererseits bringt die KI besondere Herausforderungen mit sich, die bewältigt werden müssen. Politische Anspruchsgruppen müssen einen proaktiven Ansatz verfolgen und Führungsqualitäten demonstrieren, da sich die KI schnell weiterentwickelt und gesellschaftliche Bedenken in Bezug auf Ethik, Datenschutz und Transparenz angegangen werden müssen.