Kreislaufwirtschaft

Geschlossene Material- und Produktekreisläufe

Xaver Edelmann (World Resources Forum)

Die Kreislaufwirtschaft ist ein Prinzip zur Reduktion des Verbrauchs natürlicher Rohstoffe. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass Rohstoffe effizient und so lange wie möglich in ihrer ursprünglichen Qualität genutzt werden. Dazu müssen Material- und Produktekreisläufe geschlossen und Produkte wie Materialien länger im Umlauf gehalten werden. Im Vergleich zum aktuellen, linearen Wirtschaftssystem sinkt der Verbrauch von Primärrohstoffen. Produkte werden langlebiger, und es fällt weniger Abfall an. Dadurch sollen die Umweltbelastung reduziert und die Wertschöpfung gesteigert werden.

So sieht es heute aus

Die Europäische Kommission unternimmt laufend Schritte, um Ansätze der Kreislaufwirtschaft zu stärken und die Wirtschaft nachhaltiger zu gestalten. So hat sie 2015 ein entsprechendes Paket verabschiedet. Bei der Etablierung der Kreislaufwirtschaft spielt die Ökodesign-Richtlinie eine zentrale Rolle. Sie ist die rechtliche Grundlage für Mindest-
anforderungen an Haushaltgeräte. Diese Richtlinie schreibt den maximalen Energieverbrauch vor und verlangt, dass Geräte reparierbar sind.

2016 beschäftigten die für die Kreislaufwirtschaft relevanten Sektoren in der EU über vier Millionen Arbeitnehmende. Der weltweite Markt für Kreislaufwirtschaft sowie Material- und Ressourceneffizienz ist in den letzten fünf Jahren um über zehn Prozent gewachsen. Damit wächst dieser Markt schneller als der Weltmarkt insgesamt. In der Öffentlichkeit werden Impulsprogramme zur Förderung nachhaltiger Wirtschaftsformen auch unter dem Namen «Green New Deal» verhandelt.

Als rohstoffarmes Land verfolgt die Schweiz bereits seit Mitte der 1980er Jahre Ansätze der Kreislaufwirtschaft. So ist es gelungen, gewisse Kreisläufe zumindest teilweise zu schliessen. 2018 wurden von 17,5 Millionen Tonnen Rückbaumaterialien wie Beton, Kies, Sand, Asphalt und Mauerwerk knapp 12 Millionen Tonnen wiederverwertet. Dagegen befanden sich mehr als 5 Millionen Tonnen, insbesondere Mischabbruch, noch nicht in einem geschlossenen Kreislauf. Bei den Siedlungsabfällen wird etwas mehr als die Hälfte separat gesammelt und stofflich wiederverwertet. In der Schweiz steht der hohen Recycling-
quote jedoch eine gewaltige Abfallmenge gegenüber. In kaum einem anderen Land fällt pro Kopf derart viel Siedlungsabfall an.

Ein Blick in die Zukunft

Die Kreislaufwirtschaft erfordert einen neuen Umgang mit Ressourcen. Das Wirtschaftswachstum muss vom Ressourcenverbrauch entkoppelt und dieser muss drastisch reduziert werden. Gleichzeitig muss die Ressourcenproduktivität massiv erhöht werden. Das bedeutet, dass mit weniger Ressourcen mehr produziert werden können muss. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es alternative ökonomische Ansätze. Nur mit Verhaltensänderungen bei Konsumentinnen und Konsumenten sind Fortschritte hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft möglich.

Soziale und ökonomische Aspekte der Kreislaufwirtschaft sind noch zu wenig untersucht. Es braucht dazu also weitere Forschung. Sollen die planetaren Grenzen nicht überschritten und die Verpflichtungen des Pariser Abkommen zum Klimaschutz eingehalten werden, ist die Reduktion des Rohstoffverbrauchs unabdingbar. Die Schweiz muss sich dafür engagieren, dass Rohstoffkreisläufe geschlossen werden und nicht nur dem «Greenwashing» dienen. Nur so können die Umweltauswirkungen unserer Wegwerfgesellschaft verringert werden.