Energieversorgung

Nachhaltig, zuverlässig, sicher, bezahlbar

Christian Schaffner (ETH Zürich)

Die Energieversorgung umfasst Elektrizität, Brenn- und Treibstoffe sowie Wärme. Ihr Ziel ist den Energiebedarf jederzeit sicher, zuverlässig, bezahlbar und nachhaltig zu decken.

So sieht es heute aus

Insbesondere der Druck, die klimarelevanten Emissionen zu verringern, verursacht in der Energieversorgung einen Wandel: Weg von den fossilen Primärenergien wie Erdgas und Erdöl hin zu erneuerbaren Quellen (insbesondere Photovoltaik und Wind). In gewissen Anwendungsbereichen ist dies technologisch einfacher zu bewerkstelligen, so bei der Stromversorgung, dem privaten Individualverkehr und der Wärmeversorgung von Gebäuden. Bei anderen gestaltet sich diese Transition schwieriger, etwa im Flug- und Güterverkehr. Technologien zur Speicherung elektrischer Energie, insbesondere Batteriespeicher, werden immer häufiger eingesetzt. Im Mobilitätsbereich wird der Einsatz von synthetischen Treibstoffen und Wasserstoff erforscht und im Gebäudebereich verdrängen Wärmepumpen vermehrt Heizungen, die auf fossilen Energieträgern basieren. Zunehmend werden intelligente Netz- und Systemsteuerungen auf lokaler Ebene getestet und zum Teil erfolgreich umgesetzt.

In der Schweiz gibt es eine rege Forschungstätigkeit im Energiebereich. Erforscht werden Speichertechnologien, synthetische Treibstoffe und intelligente Netzsysteme. Auch in der Grundlagenforschung gibt es hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit internationaler Bedeutung. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Gebäudeenergietechnik sehr erfolgreich entwickelt. Dies hat dazu geführt, dass die CO2-Intensität stark abgenommen hat und wohl auch weiterhin abnehmen wird. Die Mobilität hingegen hinkt der Entwicklung hinterher. Der Ausstoss von Klimagasen nimmt weder absolut noch relativ zur Wegstrecke ab. Der geschlossene Schweizer Markt bei der Stromversorgung wirkt hemmend: Innovative Lösungen im dezentralen Bereich (in den Verteilnetzen) werden im Gegensatz zum Ausland nur selten eingesetzt. Für die Energieversorgung der Schweiz ist die Dekarbonisierung die grösste Herausforderung: Die Reduktion von CO2 unter Beibehaltung einer hohen Versorgungssicherheit und zu bezahlbaren Kosten. Insbesondere für die Mobilität ist das eine grosse Herausforderung. Die zusätzliche Elektrifizierung des Wärme- wie auch des Mobilitätsbereichs werden einen Anstieg des Strombedarfs bewirken, der entsprechend abgefangen werden muss. In der Stromversorgung ist eine erhöhte Flexibilität gefragt, sodass hier neue Technologien und intelligente Systeme nötig sind.

Ein Blick in die Zukunft

Sowohl im Hinblick auf die Mobilität als auch im Gebäudebereich lässt sich die Abkehr von fossilen Brennstoffen nur dann zeitnah umsetzen, wenn sich die Regulierungen verschärfen. Im Energiebereich werden Innovationen, die einem Klimaziel dienlich sind, eher Erfolg haben als andere. Gemäss den gegenwärtigen Szenarien werden die Energiepreise nur leicht ansteigen. Das Ziel einer klimaneutralen Schweiz bis 2050 ist ehrgeizig, aber dringend notwendig. Im Stromsektor hängt viel davon ab, ob der Markt in der Schweiz vollständig geöffnet wird. Eine solche Liberalisierung könnte vielen neuen Playern den Einstieg ermöglichen und wichtige Innovationen vorantreiben. Zudem spielt das Verhältnis zur EU eine wichtige Rolle: Nur wenn der Austausch mit unseren Nachbarländern auch in Zukunft flexibel und effizient erfolgen kann, wird die Versorgungssicherheit in hohem Masse und zu relativ günstigen Preisen garantiert werden.