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PORTRÄT

«Technik bedeutet vor allem aktives Gestalten»

Pascal Leuchtmann

Pascal Leuchtmann, Dozent und Senior Scientist an der ETH Zürich, ist ein Modulverantwortlicher der ersten Stunde. Im Interview erzählt er von seiner Motivation, seinen Erfahrungen und Erlebnissen an den TecDays.

Herr Leuchtmann, was für ein Modul geben Sie anlässlich der TecDays?
Es geht um Handystrahlen, sowohl aus technisch-physikalischer Sicht auch als in Bezug auf ihre Wirkungen auf den Menschen. Für den biologischen Teil ist mein Kollege Gregor Dürrenberger zuständig.

Sie machen seit 10 Jahren regelmässig an den TecDays mit. Warum?
Das erste Mal war meine Tochter Lorena am Gymnasium. Da war es für mich klar, dass ich als Schülerin-Vater für alle etwas beitragen sollte.
Damals hätte ich mir nie gedacht, dass die TecDays einen derart nachhaltigen Erfolg haben würden. Persönlich war es für mich ungemein spannend, immer wieder neue Schulkulturen kennenzulernen, die bis ins Klassenzimmer durchschlagen: mal fragen die Schüler und Schülerinnen nur wenig, mal sind sie ungemein aktiv und kreativ dabei. Das überrascht mich immer wieder. Aber auch der Austausch mit den Lehrpersonen ist jedes Mal aufs Neue höchst anregend.
Weil heute praktisch jeder und jede ein Handy hat, ist das Thema eben für viele interessant. So ganz genau wissen die Schüler halt doch noch nicht, wie die Ortung eines Handys funktioniert.

Was möchten Sie den jungen Leuten am TecDay mit auf den Weg geben?
Zuerst einmal geht es ganz simpel um die technischen Tatsachen. Etwa, dass ein Handy nur dann strahlt, wenn es "muss", also wenn es sendet. Oder dass es umso mehr strahlt, je schlechter der Empfang ist. Dieses Verhalten ist deshalb "schlau", weil so der Akku länger hält.
Regelmässig kommt das Gespräch aber auch zu den meiner Meinung nach bei Weitem stärksten Wirkungen: Das Handy hat unser gesamtes Leben total umgekrempelt und die ständige Erreichbarkeit läuft dem Bedürfnis nach Ruhe total entgegen.
Das Smartphone schliesslich hat wegen der permanenten Verfügbarkeit aller möglichen Informationen auch die Diskussionskultur bis an den Familientisch völlig verändert. Hier strahlt das Handy auch im nicht physikalischen Sinn.

Was würden Sie einer Person raten, welche sich überlegt, als Modulverantwortliche am TecDay mitzumachen?
Das ist in jedem Fall eine Überlegung wert! Man soll sich einfach im Klaren sein, dass ein TecDay-Modul keine Fachausbildung ist. Es geht nicht um umfassende Wissensvermittlung, sondern vielmehr ums bewusst machen, dass wir ohne Technik ziemlich verloren wären, die Technik aber den Menschen in vielen Bereichen zu mehr Lebensqualität verhilft. Technik bedeutet vor allem aktives Gestalten und nicht nur Verstehen.

Was war Ihr persönliches Highlight an einem TecDay?
Das war ganz klar die Aussage einer Schülerin auf dem Podium an der Abschlussveranstaltung. Neben einem Nobelpreisträger sitzend hat sie es gewagt, die Form des Physikunterrichts als viel zu abgehoben zu kritisieren. Dies zeigt doch, dass die jungen Menschen wirklich lernen und auch verstehen wollen und daher zu Recht einen stufengerechten Unterricht fordern.