08. September 2020

Zukunft Mobilität – was ist zu tun?

Stefan Scheidegger - Früherkennung

Am diesjährigen Swiss Green Economy Symposium veranstaltete die SATW ein Innovationsforum zum Thema «autonome Mobilität und Logistik». Dieses stiess auf grosses Interesse, auch wenn sich die Expertinnen und Experten einig waren, dass autonome Fahrzeuge keine Lösung für die gegenwärtigen Herausforderungen der Mobilität sind.

Das Innovationsforum bestand aus zwei Teilen. Im ersten Teil wurden Visionen diskutiert, im zweiten ging es um aktuelle Entwicklungen und die Frage, wie autonome Fahrzeuge dereinst in ganzheitliche Verkehrskonzepte zu integrieren seien.

Visionen künftiger Mobilität

Wolfgang Kröger, Leiter der Themenplattform «autonome Mobilität» der SATW, eröffnete die Veranstaltung mit einem Referat. Darin legte er dar, dass die ineffiziente Nutzung der Infrastruktur, die Reduktion von Verkehrsunfällen und das Versprechen, die Zeit unterwegs besser nutzen zu können, wesentliche Treiber der gegenwärtigen Anstrengungen zur Automatisierung der Fahrzeuge sind. Obschon das Versprechen verheissungsvoll klingt, dürfte es aber noch Jahrzehnte dauern, bis autonome Fahrzeuge einen signifikanten Anteil am Strassenverkehr ausmachen. Im Anschluss hielt Kay W. Axhausen, Professor am Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich, ein Impulsreferat. Er mahnte, dass autonome Fahrzeuge zu einem starken Anstieg des Transportaufkommens führen würden, weil neu nicht nur Personen mit Führerschein, sondern auch die bislang vom motorisierten Individualverkehr Ausgeschlossenen die Vorzüge von Autos nutzen können.

Einigkeit im Panel

Nach dem Vortrag diskutierte das Panel die beiden Referate. Barbara Schaffner, Nationalrätin und Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, wies darauf hin, dass es nicht so sehr eine Frage sei, wann autonome Fahrzeuge erhältlich seien, sondern wie damit umgegangen wird. Auch Thomas Küchler, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schweizerischen Südostbahn, unterstrich Schaffners Aussage: «Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit autonomen Fahrzeugen sollen gesellschaftliche und politische Fragen stehen, nicht technologische». Das Panel war sich einig darin, dass schon heute die Weichen für einen zukunftsfähigen Verkehr gestellt werden müssen. Wird unsere Mobilität multimodal und in ganzheitliche Verkehrskonzepte integriert, können die wesentlichen Herausforderungen im Bereich Mobilität schon heute gelöst werden. So bieten autonome Fahrzeuge insbesondere für die Logistik und für Randregionen enormes Potential: Sie könnten dazu führen, dass die Grenze zwischen Individual- und öffentlichem Verkehr, wenn nicht aufgelöst, so doch verschoben wird.

Was machen unsere Nachbarn?

Doris Wiederwald von austriaTECH eröffnete das zweite Panel mit einem Inputreferat. Sie stellte den österreichischen Aktionsplan «Automatisierte Mobilität 2019–2022» vor. Dieser Plan verfolgt verschiedene Ziele, etwa die Qualität des öffentlichen Raums zu erhalten oder gar zu steigern, einen offenen Umgang mit Daten zu fördern sowie die CO2-Emissionen zu reduzieren. Zu diesem Zweck wurde in Österreich ein BürgerInnen-Dialog etabliert, mit dem neue und innovative Verkehrskonzepte und die daraus resultierenden Aktionen lokal eingebettet und auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abgestützt werden. Bei all diesen Anstrengungen müssen funktionierende, lebenswerte Städte und Regionen im Vordergrund stehen, so Doris Wiederwald.

Datenplattform als Grundvoraussetzung

Im zweiten Panel diskutierten Vertreterinnen der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Stadt Zürich und des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) gegenwärtige Entwicklungen. So wies ASTRA-Direktor Jürg Röthlisberger darauf hin, dass das derzeit in der Vernehmlassung befindliche Schweizer Strassenverkehrsgesetz als einziges in Europa die Möglichkeit von Assistenzsystemen zulassen wird. Für Städte wie Zürich und für das Grossflächige aufbauen nachhaltiger Supply Chains sind autonome Fahrzeuge erst peripher und am Horizont des technologischen Fortschrittes von Interesse, wie Anna Schindler, Stadtentwicklung Zürich und Prof. Maike Scherrer von der ZHAW darlegten. Damit die derzeit laufenden Koordinationsanstrengungen und die derzeit diskutierten Verkehrskonzepte aber Früchte tragen können, bedarf es einer nationalen Plattform zum Austausch von Daten zwischen den einzelnen Verkehrsdienstleister. Das Podium war sich einig: Nur wenn Schnittstellen zwischen verschiedenen Services eingerichtet werden, kann das Bedürfnis nach Mobilität effizienter als heute befriedigt werden.

Auskunft:

Stefan Scheidegger, Projektleiter Früherkennung, Tel. +41 44 226 40 23, stefan.scheidegger(at)satw.ch

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