11. Juni 2019

Technology Outlook 2019: Internationaler Vergleich

SATW - Früherkennung

Die Quadrantendarstellung zeigt die relative Bedeutung der einzelnen Technologien für die Schweiz. Sie macht aber keine Aussage über deren Bedeutung für europäische Vergleichsländer. Dazu müssten die Angaben zumindest für die wichtigsten Technologien für alle gewünschten Vergleichsländer erhoben und recherchiert werden. Der Aufwand dafür wäre enorm und nicht realisierbar.

Um dennoch einen Blick über die Landesgrenzen zu werfen und einen internationalen Vergleich zu ermöglichen, wurde ein Produkt der Firma LinkAlong eingesetzt, einem Start-up der EPFL, das auf die intelligente und anwenderspezifische Analyse von Big Data spezialisiert ist. LinkAlong nutzt Social-Media-Kanäle wie Twitter, Instagram und Facebook sowie darin referenzierte Webseiten als Datenbasis: Für den Technology Outlook 2019 wurden die Tweets und Posts der offiziellen Social-Media-Accounts von 1300 europäischen Hochschulen ausgewertet. Um nur Quellen mit hoher Glaubwürdigkeit für die Analyse zu verwenden, wurde der Datensatz bewusst auf die offiziellen Kommunikationskanäle der Hochschulen begrenzt und nicht auf einzelne Hochschulangehörige erweitert. Die Daten vermitteln also einen zeitnahen Eindruck, in welchen Ländern in akademischen Kreisen wie intensiv über welche Technologien diskutiert wird, erlauben aber keine direkte Aussage über deren volkswirtschaftliche Bedeutung.

Die Abbildung zeigt die fünf Technologien mit den meisten Posts für die Schweiz, vier ihrer Nachbarstaaten (Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich) und drei ausgesuchte europäische Vergleichsländer (Grossbritannien, Niederlande und Schweden) im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 2018. Angegeben sind für jedes Land die Anzahl Social-Media-Posts für einzelne Technologien in Prozent der gesamten Anzahl Social-Media-Posts für alle im Technology Outlook aufgeführten Technologien.

Im Ländervergleich zeigen sich klare Unterschiede. In der Schweiz dominieren die Themen «Drohnen» und «Blockchain». Die Schweiz gilt mittlerweile als «Silicon Valley der Drohnen», was diese hohe Anzahl Beiträge untermauert. Trotzdem reicht es für «Drohnen» in der Quadrantendarstellung knapp nicht für eine Top-10-Platzierung bei der Kompetenz in der Schweiz. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass sich die Forschung hauptsächlich auf wenige Hochschulen beschränkt. Diese scheinen im internationalen Umfeld allerdings sehr gut aufgestellt zu sein; anders lässt sich der gute Ruf der Schweiz auf dem Gebiet der Drohnen nicht erklären. An den Schweizer Hochschulen existieren diverse Zentren zum Thema «Blockchain»; sowohl EPFL und ETH Zürich als auch die Universitäten Basel, Luzern und Zürich sind auf dem Gebiet sehr aktiv.

Es folgen mit grossem Abstand «Photovoltaik», «Analyse von Big Data» und «Automatisierte Fahrzeuge». Unter den im Social Web meistdiskutierten Technologien befinden sich also mehrheitlich solche, für welche die Autorinnen und Autoren des Technology Outlooks der Schweiz eine hohe Forschungskompetenz attestieren: Die vier Technologien mit den meisten Posts sind in den oberen beiden Quadranten zu finden. Nur «Automatisierte Fahrzeuge» ist im Quadranten der «Hoffnungsträger» positioniert.

In Deutschland hingegen dominieren neben «Blockchain» die Themen «E-Mobilität» und «Automatisierte Fahrzeuge». Dies stimmt mit der Wahrnehmung der industriellen Ausrichtung in der Öffentlichkeit und der hohen Bedeutung der Automobilindustrie für Deutschland überein. Auch in Italien und Österreich dominieren «Analyse von Big Data» und «Blockchain» die akademische Diskussion, gefolgt mit grossem Abstand von «Drohnen», «Lernende Maschinen» und «Mobilitätskonzepte» für Italien sowie «Smart Home», «Augmented Reality» und «Automatisierte Fahrzeuge» für Österreich. In Grossbritannien gab es am meisten Tweets und Posts zu «Analyse von Big Data», gefolgt von «Augmented Reality», «Blockchain», «Drohnen» und «Lernende Maschinen». Für die Niederlande und Schweden zeigt sich ein anderes Bild. In den Niederlanden ist die Thematik «Analyse von Big Data» wie in Frankreich, Grossbritannien und Italien ebenfalls an erster Stelle zu finden, auf den Plätzen zwei bis fünf folgen ausser «Blockchain» aber Technologien, die in anderen Vergleichsländern mehrheitlich wenig Beachtung finden: «Mobilitätskonzepte», «Photonik» und «Drohnen». In Schweden unterscheiden sich die Technologien mit den meisten Posts deutlich von denjenigen in den anderen gezeigten europäischen Ländern. «Smart Cities» führt nicht überraschend die Rangliste an: Göteborg wurde 2017 im Global Destination Sustainability Index bereits zum zweiten Mal mit dem Titel «Most sustainable city in the world» ausgezeichnet.

Zudem wurden Kreisdiagramme für die Schweiz, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich und Schweden erstellt. Sie zeigen pro Land alle Posts im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 2018, die eine der 37 im Technology Outlook 2019 vorgestellten Technologien erwähnen.

Die Analyse der offiziellen Social-Media-Posts von Hochschulen erlaubt zwar keine direkte Aussage über die volkswirtschaftliche Bedeutung einer Technologie, sie widerspiegelt aber direkt und zeitnah die Forschungsaktivitäten der Hochschulen und erlaubt Rückschlüsse auf die thematischen Schwerpunkte. Mit einer soliden Basis in der akademischen Forschung sollten die Chancen für wirtschaftlichen Erfolg steigen. Der Ansatz ist spannend und vielversprechend, auch wenn die weitere Validierung noch Zeit braucht.

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Zum Technology Outlook 2019

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Weitere Informationen

Claudia Schärer, claudia.schaerer(at)satw.ch

Ulrich W. Suter, Wissenschaftlicher Beirat, ulrich.suter(at)satw.ch

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