12. Juni 2019

Technology Outlook 2019: Bedeutung der Technologien für die Schweiz

SATW - Früherkennung

Ein Grundauftrag der SATW ist die Früherkennung neuer, möglicherweise disruptiver Technologien, die für die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft in den kommenden drei bis fünf Jahren von Bedeutung sein werden. Dazu erstellt die SATW alle zwei Jahre einen öffentlichen Früherkennungsbericht, der diese Technologien präsentiert und deren Bedeutung bewertet. Die dritte Ausgabe dieses Technology Outlooks wartet mit etlichen Neuerungen auf.

So wurde das Netz zum Erkennen neuer Technologien deutlich breiter und feiner ausgeworfen: Neu werden im Bericht 37 Technologien aus den für die Schweizer Wirtschaft relevantesten Bereichen vorgestellt. Diese Technologieliste entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI sowie mehr als 70 Expertinnen und Experten. Bei der Auswahl wurde die Bedeutung der Technologien für die Schweiz und deren technologischer Reifegrad berücksichtigt. So finden sich gewisse Technologien wie Kryptowährungen, Smarte Sensoren und Windenergie nicht im Bericht. Sie entsprechen nicht dem anvisierten Zeithorizont von drei bis fünf Jahren oder sind für die Schweizer Wirtschaft wenig relevant. Die SATW ist sich bewusst, dass es sich bei manchen der beschriebenen Technologien eher um ganze Themengebiete als um Einzeltechnologien handelt. Dies geht auf die Wahrnehmung der technologischen Entwicklungen in Politik und Öffentlichkeit zurück und ist auch in vergleichbaren europäischen Publikationen zu beobachten.

Erstmals wurde der Technology Outlook mit semiquantitativen Angaben hinterlegt. Diese basieren auf dem Wissen unserer Expertinnen und Experten sowie auf umfangreicher Recherche und erlauben es, die relative Bedeutung der einzelnen Technologien für die Schweiz abzuschätzen. 

Die Grafik im Stil einer Quadrantendarstellung zeigt für die im Technology Outlook beschriebenen Technologien die volkswirtschaftliche Bedeutung (horizontale Achse) sowie die Kompetenz in der Schweiz (vertikale Achse), die auf der akademischen und industriellen Forschungsintensität beruht. Die Darstellung ist als Momentaufnahme mit Ausblick in die nahe Zukunft zu verstehen, da für die volkswirtschaftliche Bedeutung sowohl der heutige Umsatz als auch das Potenzial für künftigen Umsatz berücksichtigt wurde. Es handelt sich dabei um den Umsatz mit Produkten oder Dienstleistungen, den in der Schweiz ansässige Unternehmen weltweit erwirtschaften. Ebenfalls berücksichtigt ist der Umsatz, der mit Montage oder Service von importierten Produkten hierzulande erzielt wird. Der Wert auf der vertikalen Achse – die Kompetenz in der Schweiz – bildet die Anzahl der akademischen und industriellen Forschungsgruppen hierzulande ab.

«Stars», «Selbstläufer», «Nischen» und «Hoffnungsträger»
Die Technologien im blau hinterlegten Quadranten (oben rechts) sind die «Stars». Die Kompetenz in der Schweiz ist hoch, da sich die akademische und industrielle Forschung intensiv damit beschäftigen, und die volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Technologien ist gross. Sie bescheren der Schweiz hohe Umsätze und generieren Arbeitsplätze. Somit besteht eine ausgezeichnete Basis für eine positive künftige Weiterentwicklung. Diese Technologien sollten gestärkt, die Chancen für neue Geschäftsfelder genutzt werden. Dies zu tun, verlangt weitere Anstrengungen; die Unternehmen und Forschungsinstitute, die sich mit Technologien in diesem Quadranten beschäftigen, dürfen sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Sie müssen das erarbeitete Wissen breiter nutzen.

Die Technologien im gelb hinterlegten Quadranten (unten rechts) sind ein «Glücksfall» für die Schweiz. Obwohl die Kompetenz in der Schweiz eher tief ist, sich also nur wenige Forschungsinstitute mit der Thematik beschäftigen, wird damit ein hoher Umsatz generiert. Diese Technologien sind «Selbstläufer». Es handelt sich um bereits reife, gut etablierte Technologien, die sich momentan nur langsam entwickeln. Dieser Zustand könnte sich aber auch ändern. Wichtig ist, dass die weitere Entwicklung dieser Technologien genau beobachtet wird. Investitionen in Aus- und Weiterbildung sowie in Grundlagen- und angewandte Forschung könnten sich auch in Zukunft auszahlen.

Im rot hinterlegten Quadranten (oben links) befinden sich Technologien, die als «Nischen» angesehen werden können. Investitionen in diese Technologien müssen kritisch hinterfragt werden: Zwar ist die Kompetenz in der Schweiz gemessen an der Forschungsintensität hoch, doch die volkswirtschaftliche Bedeutung eher gering. Es stellen sich Fragen nach dem Return on Investment und dem Zukunftspotenzial. Gewisse Technologien wie «Lernende Maschinen» stehen kurz vor dem Durchbruch von den «Nischen» zu den «Stars», während andere wie «Zukünftige Energiespeicherung » noch weit davon entfernt sind. Die Chancen verbesserter Vermarktung und neuer Geschäftsfelder müssen genutzt werden. Auch ist eine Digitalisierung in den hausinternen Fertigungsprozessen anzustreben, um die Produktionskosten zu senken und somit Umsatz und Gewinn zu erhöhen.

Im grün hinterlegten Quadranten (unten links) findet sich die grosse Gruppe der technologischen «Hoffnungsträger». Die volkswirtschaftliche Bedeutung ist noch gering, die Kompetenz wegen der eher geringen Forschungsintensität allerdings auch. Der Markt, den die Schweizer Firmen bearbeiten, ist (noch) nicht reif dafür, auch wenn der technologische Reifegrad einzelner Technologien bereits relativ hoch ist. Es finden sich in diesem Quadranten aber auch viele aufkeimende Technologien mit ungewissem Zukunftspotenzial. Es ist deshalb wichtig, die Entwicklung dieser Technologien genau zu verfolgen und zu analysieren sowie das internationale Marktpotenzial zu bestimmen. Zur Förderung dieser Technologien scheinen die Vernetzung der akademischen und industriellen Partner sowie der Aufbau von Austauschplattformen sinnvoll.

In der Abbildung sind jeweils die fünf Technologien mit der grössten volkswirtschaftlichen Bedeutung (links) und der grössten Kompetenz in der Schweiz (rechts) abgebildet.

Vergleichen Sie die 37 Technologien aus dem Technology Outlook 2019

Internationaler Vergleiche

Download Technology Outlook 2019 (DE)

Download Technology Outlook 2019 (FR)

Download Technology Outlook 2019 (EN)

Weitere Informationen

Claudia Schärer, claudia.schaerer(at)satw.ch

Ulrich W. Suter, Wissenschaftlicher Beirat, ulrich.suter(at)satw.ch

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