28. Mai 2019

GIS für Girls

Adrian Sulzer - Digitalisierung, Technik-Bildung

Am 22. Mai fand ein Swiss TecLadies-Workshop bei Esri in Zürich statt. Neun Mentees bekamen dabei einen Einblick in die Welt der Geodaten und durften diese anschliessend selbst entdecken.

Mentorin Isabella Flüeler begrüsste die Mentees und Mentorinnen bei Esri in Zürich, wo sie als Solution Engineer tätig ist. Esri ist ein Unternehmen für Geoinformationssysteme, kurz GIS. «Das ist nichts anderes als Hard- und Software, um räumliche Daten zu erfassen, speichern, auszuwerten und zu visualisieren.» Was das bedeutet, zeigte sie anhand einer kleinen Umfrage auf, welche die Mentees online ausfüllten. Basierend auf diesen Daten wurde auf einem Dashboard anschliessend visualisiert, welche Mentees woher angereist sind und welche Verkehrsmittel sie benutzt haben. 60-80 Prozent der Daten haben einen Bezug zum Raum, weshalb GIS so wichtig ist. Drei Beispiele, wie GIS genutzt werden können, zeigte sie anhand eines Unternehmenfilms. So setzt beispielsweise die Migros auf die Mapping- und Analysesoftware «ArcGIS» von Esri, um ihre Produkte, Vertriebswege und Transportmittel in Echtzeit zu überwachen.

Von der Schweizer Landkarte zu virtuellen 3D-Modellen
Wie ist Isabella zu Esri gekommen? Im Gymnasium war sie für mathematisch-naturwissenschaftliche wie auch sprachliche Fächer gleichermassen begabt. Deshalb entschied sie sich für ein Studium, das ihr möglichst viele Optionen offenhielt. Sie hat an der Uni Zürich Geographie studiert und nach dem Studium bei Swisstopo begonnen, wo sie unter anderem an den Schweizer Landkarten arbeitete. Wie diese hergestellt werden, hat sie sich im Rahmen des Mentoring-Programms zusammen mit ihrem Mentee vor Ort angeschaut.

Tolles Engagement: Mentorin Isabella Flüeler von Esri hat den Workshop initiiert.

Seit sie für Esri arbeitet, hat sie sich Schritt für Schritt auf 3D-GIS spezialisiert. Der Stadt Winterthur hat sie beispielsweise geholfen, deren 3D-Stadtplan zu erstellen. Dieser zeigt u.a. auch, wo sich die Installation von Photovoltaikanlagen lohnen würde. «Das ist eine andere Art der Visualisierung von Geodaten, die mich sehr interessiert.» Gerade beim Thema Stadtentwicklung sieht sie viel Potenzial: Immer mehr Städte und Gemeinden sehen den Bedarf für eine digitale Repräsentation ihrer Stadt zwecks Kommunikation im Internet (Stichwort Digitalisierung).

Mit GIS Polio bekämpfen
Amy Kunz von Esri stellte eine Anwendung vor, die für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt wurde. Dabei ging es um die hochansteckende Krankheit Poliomyelitis (Kinderlähmung), zu deren Bekämpfung es seit 1955 einen Wirkstoff gibt. Seither hat die Anzahl der Infektionen stark abgenommen, der letzte Fall in der Schweiz trat 1982 auf. In Afrika und Südostasien gibt es aber nach wie vor Ausbrüche. Die WHO hat 1988 eine Kampagne zur Ausrottung von Polio gestartet und Massen-Immunisierungen durchgeführt. Um zu ermitteln, wo es noch Betroffene gibt, wurden Umfragen durchgeführt. Dies war aber sehr aufwändig, die Auswertung dauerte lange und war fehleranfällig. Mit GIS-Software ist es heute möglich, solche Umfragen elektronisch durchzuführen und somit beinahe in Echtzeit eine geographische Übersicht zu bekommen, auch für abgelegene Regionen. Im Irak zum Beispiel konnte man innert 6 Monaten über 25'000 Kinder unter fünf Jahren erfassen und gezielter impfen.

Feldversuch in Zürich-West
Thomas Ingold stellte anschliessend die Esri-App vor, die damals im Irak eingesetzt wurde. Im anschliessenden Workshop durften die Mädchen damit arbeiten. In Gruppen mussten sie zunächst einen entsprechenden Fragebogen kreieren, um anschliessend die entsprechenden Daten im Umkreis von zehn Gehminuten zu erfassen. Die Themen waren «Schadensmeldung», «Kartierung von Abfall» sowie von «Abfalleimern und Recycling-Stationen». «In technischen Berufen geht es darum, dass man etwas macht und nicht zu viel redet», so sein Aufruf, loszulegen.

Wo ist etwas kaputt, wo liegt Abfall rum? Die Mentees dokumentierten ihre Eindrücke mit dem Tablet.

Nach Fertigstellung der Fragebogen gingen die Mädchen also hinaus, um mittels App ihre Beobachtungen zu erfassen. Die meisten entschieden sich, die Gegend rund um die Josefwiese unter die Lupe zu nehmen. Zurück bei Esri wurden die gesammelten Daten dann mittel GIS-Software visualisiert. Ähnliche Applikationen sind in viele Städte in Verwendung, so auch in Zürich als Smartphone-App und Website unter dem Namen «Züri wie neu». Der Einsatz solcher Tools kann aber auch helfen, bei Grosseinsätzen wie der Street Parade oder dem Züri Fäscht mögliche Probleme wie etwa versperrte Fluchtwege zu lokalisieren. 

Kontakt:
Edith Schnapper, Projektleiterin Nachwuchsförderung, Tel. +41 44 226 50 26, edith.schnapper(at)satw.ch

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