14. Mai 2019

Swiss TecLadies: Mentees besichtigen Windenergieanlage

Günseli Ünlü - Technik-Bildung

Am 8. Mai stand für die Mentees von Swiss TecLadies die Besichtigung einer der grössten Windenergieanlage der Schweiz auf dem Programm. Organisiert wurde sie von Mentorin Sarah Barber, Leiterin Windenergie an der HSR Rapperswil. Robert Giger, ehemaliger Gemeindepräsident von Haldenstein, führte durch die Anlage.

Gleich zu Beginn bekamen die Mentees die Chance, die Windenergieanlage in Haldenstein zu besuchen und einen Einblick in die beeindruckende Technik der Anlage zu gewinnen. Während der Besichtigungstour bestaunten die Teilnehmerinnen die rund 120 Meter hohe Windenergieanlage. Diese sei in nur zwei Tagen aufgestellt worden, sagte Robert Giger. Es mussten ganze Autobahnabschnitte gesperrt werden, damit die 54 Meter langen Rotorblätter transportiert werden konnten. «Wenn man ganz oben steht, nimmt man die Schwankungen des Turmes besonders wahr», ergänzte Sarah Barber. Um die Statik nicht zu beeinflussen, wurden die Plattformen und die Eingangstür mit Magneten angebracht. Auf die Frage, wie lange es brauche, zu Fuss von unten nach oben zu gelangen, antwortete die Mentorin, dass dies harte körperliche Arbeit sei: «um den Körper zu entlasten, muss man ihn immer wieder an die Wand lehnen». Leider konnten die Besucherinnen das nicht selbst ausprobieren, da der Zutritt Service-Technikern vorbehalten ist. Diese laufen jedoch nicht, sondern fahren mit dem Lift nach oben – und der braucht ca. 10 Minuten.

Windenergieanlage in Haldenstein.

Begeisterung für die Windenergie
Anschliessend fuhren alle Besucherinnen gemeinsam mit dem Bus zum Seminarraum bei der Josias Gasser Baumaterialien AG, eine der Initianten der Windenergieanlage. Dort berichtete Sarah Barber zunächst über ihren Werdegang und erzählte über Projekte, welche sie in Europa, Amerika und Asien begleitet hat. Ihr Themengebiet habe sich verändert: Ihre Interessen waren vor allem Automobile, Sport bzw. Fussball und andere Ingenieurwissenschaften gewesen und erst danach Windenergie, berichtete sie. Es gäbe unterschiedliche Motivationen, weshalb sich jemand auf ein spezielles Fachgebiet einlassen würde. So wollte sie etwas tun, was ihr Spass macht und zugleich der Allgemeinheit dient. Auf Menschen aktiv einzugehen und Begeisterungsfähigkeit seien wichtige Kriterien für eine Karriere, riet sie den Mentees.

Neben ihrem spannenden Werdegang begeisterte sie mit ihrem Vortrag über den technischen Stand der Windenergie und die Energiestrategie 2050 des Bundes. Um die Ziele der Energiestrategie zu erreichen, müssten 4'000 GWh Strom aus Windenergie erzeugt werden, welcher mindestens 1'000 Windenergieanlagen entspricht. Einige kritische Fragen seitens der Mentees musste Sarah Barber beantworten. Auf die Frage, warum nicht mehr Windenergieanlagen aufgebaut werden, antwortete sie: Dieses setze die Bereitschaft von Gesellschaft, Wirtschaft und Interessenvertretern aus Natur- und Umweltschutz voraus. Auch der Politik komme in diesem Prozess eine Schlüsselfunktion zu. Der Widerstand bei der Bevölkerung gegen die Windkraft sei gross, obwohl die Windkraft die beste Lösung sei, wenn man vom Lebenszyklus der Anlagen ausgehe. Zudem sei die Energieproduktion sauber, günstig und schaffe Arbeitsplätze. Eine weitere Problematik sei das Finden geeigneter Standorte mit guten Windverhältnissen. Diese lägen meistens hoch oben in den Bergen, was den Transport des Stroms erschwere. «Wie ist der Einfluss der Windenergieanlage auf die Vogelwelt?» wollte ein Mentee wissen. Da der Bau einer Windenergieanlage potenziell einen grossen Einschnitt in den Lebensraum der Tierwelt bedeutet, werden die Vögel über einen längeren Zeitraum beobachtet. In der Umgebung der Windenergieanlage Calandawind seien keine verletzten Tiere gefunden werden. Zudem gibt es in der Gegend eine grosse Fledermauspopulation. Um diese zu schützen, wurden die Windräder zum Teil abgeschaltet.

Die Swiss TecLadies steigen aus der Windengergieanlage.

Strom für 1'000 Personen
Calandawind steht seit Ende Februar 2013 in Haldenstein bei Chur. Mit einer Nabenhöhe von 119 Metern und 3 MW installierter Leistung handelt es sich um eine der grössten Windenergieanlage der Schweiz. Sie produziert jährlich ca. 4.5 Millionen Kilowattstunden Strom, was in etwa dem Verbrauch der Gemeinde Haldenstein mit seinen 1'000 Einwohnerinnen und Einwohnern entspricht. Die Anlage erntet bereits bei niedrigen und mittleren Windgeschwindigkeiten hohe Stromerträge. An den Blattspitzen erreicht das Windrad eine Geschwindigkeit von bis zu 270  km/h. Der Geräuschpegel ist so gering, dass er selbst unter der Windenergieanlage durch das Rauschen des Rheins und den Autolärm der nahegelegenen Autobahn übertönt wird.

Kontakt:
Dr. Beat Schuler, Leiter Nachwuchsförderung, Tel. +41 44 226 50 18, beat.schuler(at)satw.ch

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