13. Mai 2019

Vernissage Technology Outlook 2019: Selbstfahrende Autos und smarte Städte

Adrian Sulzer - Früherkennung

Am 7. Mai publizierte die SATW ihren Technology Outlook 2019. Noch am gleichen Abend fanden Vernissagen für die SATW-Mitglieder in Zürich und Lausanne statt. In Zürich wollten knapp 40 Mitglieder und geladene Gäste aus erster Hand mehr über den Bericht erfahren.

Der neue Technology Outlook wartet mit vielen Neuerungen auf, wie Ulrich W. Suter, Präsident des Wissenschaftlichen Beirats der SATW, in seiner Einführung aufzeigte. Erstmals wurden semiquantitative Daten erhoben, die auf umfassenden Recherchen sowie Informationen und Einschätzungen der Expertinnen und Experten beruhen. 37 Technologien wurden evaluiert, wobei die Auswahl in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) entstanden ist. Um einen Ländervergleich bzgl. der in der Forschung wichtigsten Technologien vorzunehmen, wurden zudem die offiziellen Social-Media-Kanäle von 1300 europäischen Hochschulen analysiert (S. 13-19). Hier zeigen sich z.T. deutliche länderspezifische Unterschiede: So etwa sind in Deutschland aufgrund der starken Automobilindustrie Mobilitätsthemen viel stärker gewichtet als in anderen Ländern. Ulrich W. Suter lud das Publikum ein, den Technology Outlook 2019 aufmerksam zu lesen, kritische Rückmeldungen zu geben und weitere Personen auf den Bericht hinzuweisen.

Automatisierte Fahrzeuge: Breite kommerzielle Nutzung nicht vor 2040
Anschliessend stellten zwei Autoren die von ihnen beschriebene Technologie vor. Zunächst war dies SATW-Mitglied Prof. Wolfgang Kröger mit dem Thema Automatisierte Fahrzeuge (S. 42). Bei der SATW leitet er die Plattform «Autonome Mobilität». Er zeigte die fünf Stufen automatisierten Fahrens auf (gemäss SAE J 3016), fokussierte seine Ausführungen aber auf die beiden höchsten Stufen, also auf eine sehr hohe bis vollständige Autonomie der Fahrzeuge. Betreffend Zeithorizont gibt es grosse Unsicherheiten. So erwartet Uber, dass seine gesamte Flotte bis 2030 autonom sein wird, und die IEEE rechnet mit 75 Prozent fahrerloser Fahrzeuge bis 2040. Wolfgang Kröger schätzt, dass erste Zulassungen zwischen 2020 und 2030 erteilt werden, eine breite kommerzielle Nutzung aber erst nach 2040 einsetzen werde. Die vollkommene Markdurchdringung erwartet er nicht vor 2060. Deshalb machte er auch auf das Problem des langandauernden Mischverkehrs aufmerksam.

In Bezug auf die Assistenzsysteme war auch 5G («oder sogar 6G») ein Thema. Laut Prof. Wolfgang Kröger ist diese Infrastruktur eine unverzichtbare Voraussetzung für Autonome Mobilität.

Vor- und Nachteile abwägen
Die Technologie bringt viele Vorteile wie mehr Sicherheit, weniger Stress und mehr Fahrkomfort oder erhöhte Transporteffizienz und Produktivität. Eine Minderung von Emissionen und Ressourcenverbrauch sei aber nur möglich, wenn sich das Mobilitätsverhalten dank innovativer Konzepte ändere. Zu bedenken seien auch die bisher unklare Haltung der Öffentlichkeit (Akzeptanz), ein erhöhtes Verkehrsaufkommen durch Leerfahrten oder mögliche Missbräuche (Cyberattacken, Kontrollverlust) der enormen Datenmenge, die generiert wird. «Ich war schockiert zu hören, dass gewisse Player eine Null-Risiko-Strategie verfolgen. Das ist unrealistisch.» Auch wenn er Automatisiertes Fahren als «Top-Technologiethema mit Quantensprungpotenzial» bezeichnete, warnte Wolfgang Kröger vor überrissenen Erwartungen. Insbesondre Aspekte der Zuverlässigkeit und des Risikos seien noch stärker zu behandeln: Autonome Fahrzeuge stellen einen bisher unerreichten Stand der Systemintegration und Komplexität dar. Deshalb müsse das Gesamtsystem simuliert und unter extremen Bedingungen getestet werden. Dies könne aber nicht nur unter realen Verkehrsbedingungen geschehen, denn dazu müssten laut Schätzungen 275 Millionen fehlerfreie Kilometer zurückgelegt werden. Wie viel Emotionen das Thema weckt und welche Unklarheiten bestehen, zeigte anschliessend auch die lebhafte Diskussion.

Smart Cities: Grosses Potenzial

Dr. Andrew Paice, Leiter des iHomeLabs an der Hochschule Luzern, stellte das Thema «Smart Cities» vor. Dieses zählt im Technology Outlook zur Kategorie der «Stars», d.h. das volkswirtschaftliche Potenzial wie auch die Kompetenz sind hierzulande hoch. Die wichtigsten Treiber sind die vielfältigen Innovationen bei Datenanalyse, Kommunikations-, Cloud- und IoT-Technologien sowie eine hohe Skalierbarkeit. Doch nicht die Machbarkeit soll im Vordergrund stehen, sondern der Nutzen: Was bringt es den Bürgerinnen und Bürgern? Andrew Paice stellte die potenziellen Versprechen in den Bereichen Bildung, Energie, Gebäude, Gesundheit, Gouvernement und Mobilität vor, darunter viele «zweischneidige Schwerter»: So verspreche man sich mehr Sicherheit, doch entwickle sich daraus ein System wie der chinesische «Citizen Score», sei dies bedrohlich.

Hohe Hürden im Bereich Smart Cities? Nein, sagt Dr. Andrew Paice: «Es ist für fast alle technisch versierten Personen möglich, eigene Smart-City-Anwendungen zu entwickeln.»

Smarte Schweizer Städte?
Aktuell gibt es in der Schweiz viele Smart-Cities-Aktivitäten, insbesondere in Basel, Genf, St. Gallen und Zürich. Oft sind es die Stadtwerke, welche die Innovationen treiben. Hinzu kommen Organisationen wie Smart City Schweiz und Smart City Hub, die dem Erfahrungsaustausch dienen. Ein wichtiger «Enabler» ist die 5G-Technologie, die einen «riesen Quantensprung» ermögliche. Die Technologie kann als «Kommunikations-Backbone» für Smart-City-Dienstleistungen dienen. Allerdings weckt das Thema viele Emotionen und die Diskussionen darüber sind nicht immer sachlich, wie er anhand verschiedener aktueller Schlagzeilen aus der Schweiz und dem Ausland aufzeigte. Andrew Paice räumte ein, dass einzelne Auswirkungen von 5G noch zu untersuchen seien, zeigte sich aber zuversichtlich, dass man allfällige Probleme in den Griff bekommen werde. «Die aktuellen ablehnenden Reaktionen sind typisch für neue Technologien.»

Ein weiterer Treiber sei die Einführung von Smart Meters: So müssen bis 2027 80 Prozent der mechanischen Stromzähler in Schweizer Haushalten durch Smart Meters ersetzt werden, was künftig grosse Datenmengen erzeugen werde. Hier bieten sich Chancen für lokale Versorger, die neue Dienstleistungen auf dieser Kommunikationsinfrastruktur anbieten. Bei der Umsetzung wird sich die Frage stellen, ob man mit grossen internationalen oder lokalen Partnern zusammenarbeiten will. Beides hat Vor- und auch Nachteile, wie im Technology Outlook beschrieben (S. 43). So oder so werde die Akzeptanz der Bevölkerung ganz zentral sein. Um diese zu erreichen, sei eine transparente Kommunikation über Chancen und Risiken entscheidend. 

Technology Outlook 2019 (Online Version)

Technology Outlook 2019 (Print Version)


Auskunft:
Adrian Sulzer, Leiter Kommunikation und Marketing, Tel. +41 44 226 50 27, adrian.sulzer(at)satw.ch

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