26. Oktober 2018

EU STEM Coalition: Nachwuchs-Förderung in ganz Europa

Béatrice Miller - Technik-Bildung

In Europa gibt es zu wenig Fachkräfte in Technik und Informatik und deshalb viele Initiativen, die den Nachwuchs fördern. Die «EU STEM Coalition» fördert den Austausch unter den europäischen Ländern. Im Oktober fand ein Treffen in Paris statt.

Die «EU STEM Coalition» ist ein europäisches Netzwerk von nationalen STEM-Plattformen. (STEM = MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). STEM-Plattformen sind in diesem Fall Organisationen, die von Regierungen gegründet worden sind oder von der Regierung finanziell unterstützt werden, um die Zahl der MINT-Absolventinnen und -Absolventen zu erhöhen. Die SATW vertritt die Schweiz in der «EU STEM Coalition».

Einbettung in nationalen Kontext ist wichtig
Die «EU STEM Coalition» fördert den Austausch bezüglich «Best-Practice» und unterstützt neue STEM-Strategien der EU-Mitgliedstaaten. Sie propagiert bei den MINT-Initiativen den so genannten «Triple helix approch», nämlich eine enge Beziehung zwischen Wissenschaft, Industrie und Regierung. Dieser Ansatz soll sicherstellen, dass die nationalen MINT-Strategien nachhaltig und im nationalen Kontext eingebettet sind. Zu den Hauptaktivitäten der «EU STEM Coalition» gehören die Generalversammlungen, die in der Regel zweimal jährlich stattfinden. Alle Mitglieder sind eingeladen. Dabei hilft das entsprechende Land bei der Organisation und bei den Inhalten der Versammlung mit. Dieses Jahr waren Frankreich und Ungarn beteiligt. Mitte Oktober fand die zweitägige Generalversammlung in Paris statt. Gastgeber war das Lycée Chaptal mit seinem riesigen und ehrwürdigen Gebäude, das für den Unterricht von rund 2000 Schülerinnen und Schülern dient.


Austausch von Best-Practice-Beispielen
Am ersten Tag wurden verschiedene Initiativen und Best-Practice-Beispiele der Mitgliedsländer vorgestellt. Besonders eindrücklich war die Präsentation zu den so genannten «Newton Rooms», in denen Kinder und Jugendliche auf rund 200 m2 experimentieren und inspirierend lernen können. Vor zehn Jahren in Norwegen gegründet, gibt es mittlerweile bereits 35 Räume. Jeder Raum wird von mehreren Schulen genutzt, so dass jährlich 35'000 Kinder und Jugendliche davon profitieren. Die Lernstationen werden von Lehrpersonen geleitet, die teils in den Newton Rooms arbeiten, teils in Schulen unterrichten. Unterdessen gibt es auch Newton Rooms in Dänemark. Eine Ausweitung auf neun weitere europäische Länder ist geplant und wird anfangs November 2018 mit einer internationalen Konferenz lanciert. Die Firma Boeing finanziert den Aufbau mit zehn Millionen US-Dollar.

 

Auch in Frankreich fehlen die Frauen
Der zweite Tag gehörte den französischen Initiativen. Auch die Franzosen haben zu wenig Frauen in technischen Berufen. Deshalb führen sie jährlich in 30 verschiedenen Städten bzw. an 300 verschiedenen Gymnasien Treffen durch, bei denen Mädchen Frauen in technischen Berufen kennenlernen können. Es sei gar nicht so einfach, die benötigten rund 1400 Rollenmodelle dafür zu finden. «Les sciences de l’ingénieur au féminin» heisst diese Initiative, die 2013 ins Leben gerufen wurde und von UPSTI (l'Union des Professeurs de Sciences et Techniques Industrielles) und «Elles bougent» durchgeführt wird.

 

Hoher Besuch aus dem Bildungsministerium
Das Highlight der Generalversammlung war der Besuch des französischen Bildungsministers Jean-Michel Blanquer. Er nahm sich eine Stunde Zeit, um den Stellenwert von MINT in der Bildung aus seiner Sicht zu betonen und Fragen zu beantworten. Wissenschaft und Technologie würden immer bedeutender, aber auch Ethik sei in einer technologisierten Welt sehr wichtig, meinte der Bildungsminister. Sein Ziel ist es, die Unabhängigkeit von Frankreich durch eine zeitgemässe Bildung zu erhalten. Dazu benötigt es Lehrpersonen, die eine Leidenschaft für Naturwissenschaften und Technik entwickeln. Ein grosser Umbruch steht aktuell bei den französischen Berufsschulen an, den «Lycées professionels». Ziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler gut auf die Berufe von morgen vorbereitet werden – zum Beispiel dank besserer Verzahnung zwischen beruflicher und allgemeiner Bildung.

Auskunft
Dr. Béatrice Miller, Leiterin Nachwuchsförderung Technik, Telefon +41 44 226 50 18, miller(at)satw.ch

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