30. November 2017

Studentische Innovation fördern

Adrian Sulzer - Förderung

Wie können Innovationen und Unternehmertum an Schweizer Hochschulen gefördert werden? Das war die zentrale Frage eines Workshops der Associaton for Student Innovation, den die SATW unterstützt hat.

Die Schweizer Hochschulen unternehmen viel, um die Gründung von Start-ups zu fördern. Dennoch entschliessen sich vergleichsweise wenige Studierende zu diesem Schritt. Wie lässt sich der Unternehmergeist an hiesigen Hochschulen fördern? Ein von der SATW unterstützter Workshop brachte am 23. November Verantwortliche von Hochschulen im In- und Ausland zusammen, um diese Frage zu erörtern. Organisiert hat den Anlass die Association for Student Innovation in Freiburg, namentlich Dr. Eliav Haskal (NCCR Bio-inspired Materials), Marc Pauchard (Adolphe Merkle Institut, UniFR) und Prof. Dr. Philipp Bubenzer (Hochschule für Wirtschaft Fribourg, HEG-FR).

Eliav Haskal begrüsste die Anwesenden, bevor Prof. Dr. Den Huan Hooi, ehemaliger Direktor des  Technopreneurship Center an der Nanyang Technological University (NTU) in Singapur, seine Erfahrungen teilte. Man habe dasselbe «Problem» wie die Schweiz: Praktisch alle Hochschulabgänger fänden rasch eine Stelle und viele möchten primär lukrative Jobs bei Grossunternehmen ergattern. Trotzdem unternimmt die NTU einiges, um Firmengründungen zu fördern. «We try to create excitement about entrepreneurship», so das übergeordnete Ziel. Man lade prominente Referenten aus dem In- und Ausland ein und kooperiere dafür u.a. mit der US-Botschaft oder swissnex. Weitere Aktivitäten seien Symposien, Boot Camps, Ideathon und Startaton, Acceleration- und Mentoring-Programme sowie Awards. Zudem stehe das Thema im Zentrum mehrere Studiengänge und Weiterbildungen. Schliesslich gebe es Online-Plattformen, wo z.B. Start-up-Fallstudien gratis verfügbar sind und man pflege Partnerschaften mit Inkubatoren. Huan Hooi ist überzeugt, dass man Unternehmertun lehren kann, wie der grosse Erfolg des Technopreneurship Center belege.

Machen statt planen
Mikkel Sørensen von der Technical University of Denmark stellte das Skylab vor, das er leitet. Es war zunächst als Prototyp konzipiert. Die Universität stellte dafür 500 m2 in einem Gebäude zur Verfügung, das 18 Monate später abgerissen werden sollte. Mit wenig Zeit und Geld sei klar gewesen, dass er keine langen Strategien schreiben würde. Man eröffnete rasch und experimentierte mit Anlässe und Aktivitäten. Was funktionierte, wurde ausgearbeitet – das Übrige verworfen. «We made some terrible mistakes», gab er zu. Doch nach sechs Monaten hatte man eine Community von zehn Start-ups sowie mehrere Professoren und Unternehmen, die sich beteiligten. Dank der positiven Impact-Analyse der Pilotphase erhielten er und seine Kollegen Mittel, um einen permanenten Innovation Hub aufzubauen, diesmal auf 1600 m2. Offenheit präge das Lab: «You can’t hide in the skylab» so Sørensen. Es sei ein Ort, um andere zu treffen. 2016 zählte man rund 75'000 Besucher und über 300 entwickelte Prototypen. Seit Beginn haben 133 Start-ups Unterstützung erhalten. Das Hauptanliegen seien aber nicht Firmengründungen, sondern das Hervorbringen besserer Ingenieure. Als wichtigste Erfolgsfaktoren nannte er den agilen Ansatz, das Engagement der Community, die vielfältigen Partnerschaften und den Fokus auf die User.

 

Während 45 Minuten hatten die Vertreter der Schweizer Hochschulen dann Gelegenheit, ihre Aktivitäten kurz vorzustellen. Es zeigte sich, dass viele mit ähnlichen Konzepten und Aktivitäten versuchen, den Unternehmergeist ihrer Studierenden zu fördern. Oft gibt es entsprechende Studiengänge oder Vertiefung. Häufig bemängelt wurden Silos zwischen den Departementen, die es schwierig machen, Synergien zu nutzen. Für die Studierenden sei bisweilen kein «roter Faden» zu erkennen. Zudem erreichen einige Hochschulen mit ihren Aktivitäten keine «kritische Masse», was für institutionsübergreifende Kooperationen spreche.

«It’s not rocket science.»
Vor der Mittagspause stellte Prof. Dr. Dietmar Grichnik, Dean der School of Management und Chair of Entrepreneurship an der HSG, die Aktivitäten der St. Galler Kaderschmiede vor. Er begann mit der Makroperspektive: In vielen Rankings sei die Schweiz die Nummer 1 bzgl. Innovation, doch würden meist nur Input-Faktoren gemessen. Bei Betrachtung der Output-Faktoren liege man nur im Mittelfeld. Die Grösse des Heimmarkts liess er als Begründung nicht gelten: Israel sei nicht grösser, bringe aber viel mehr Start-ups hervor. An ETHZ und EPFL werde viel gemacht, doch die Universitäten und insbesondere die Fachhochschulen lägen deutlich zurück. Es gebe zwar über 300 Startup-Awards und vielfältige Optionen für Seed-Finanzierungen, hingegen mangle es an Finanzierungsmöglichkeiten in der frühen Wachstumsphase. Schliesslich seien Netzwerke vornehmlich regional statt national ausgerichtet, was die Entwicklung hemme. Die HSG vereint unter dem Label Startup@HSG eine breite Angebotspalette. Man habe mit Events begonnen, später Labs gegründet und einen Makerspace direkt neben der Mensa, wo ihn möglichst viele Studierende sehen. Auf dem Campus gibt es Büro-Container, wo Start-ups bis zu sechs Monate bleiben können. Die Warteliste sei lang. Der grösste Erfolgsfaktor sei aber der Zugang zum Alumni-Netzwerk. Er gab den Anwesenden Tipps mit auf den Weg: Es helfe zwar, sich anderswo Inspiration zu holen, doch solle man nicht andere kopieren. Es gelte den eigenen Weg zu gehen und die Besonderheiten seiner Institution zu nutzen. Wichtig sei auch, studentische Initiativen zu institutionalisieren, da es diesen oft an Kontinuität mangle. So oder so, man solle den Prozess starten und Dinge ausprobieren. «It’s not rocket science.»

Best practice zusammenführen
Zum Einstieg nach der Mittagspause verwies Philipp Bubenzer auf zwei Studien der HEG-FR: Gemäss GUESSS-Report beabsichtigen fast 30 Prozent der westschweizer Studierenden, innert fünf Jahren ein Unternehmen zu gründen. Der GEM-Report zeigt aber, dass weniger als zehn Prozent dies umsetzen. Dass Unternehmertum an Hochschulen erfolgreich gefördert werden kann, sei durch jüngerer Meta-Analysen belegt. Doch zeigten diese auch, dass schlecht konzipierte Programme das Gegenteil bewirken könnten. Entsprechend schlug er einen Bezugsrahmen vor, um Best Practices und Erfahrungen systematisch zusammenführen. Damit gingen die Gruppen in drei Workshops an die Arbeit.

Zurück im Plenum begrüsste der Freiburger Volkswirtschaftsdirektors Olivier Curty die Anwesenden und lobte die Vorzüge und Innovationsfähigkeit seines Kantons. Anschliessend wurden die Erkenntnisse präsentiert. «How should we teach entrepreneurship?» war die zentrale Frage des Workshops, den Philipp Bubenzer moderierte. Die Teilnehmenden definierten das gewünschte Mind- und Skillset der Studierenden, diskutierten wie man diese Kompetenzen vermitteln könne und welche Prioritäten zu setzen seien. Eliav Haskal stellte die Resultate des Workshops «Institution» vor: Die Leitung müsse sich bewusst sein, dass Innovation eine zentrale Mission von Hochschulen sei. Allerdings hätten viele Dozierenden ein Glaubwürdigkeitsproblem, da sie selbst keine Unternehmererfahrung hätten. Doch ohne Glaubwürdigkeit gebe es kein Engagement der Studierenden. Entscheidend sei, ob letztere Credits für entsprechenden Aktivitäten erhalten. Der dritte Workshop unter Leitung von Serge Ayer (HEIA-FR) ging der Frage nach, welches Mind- und Skillset die Wirtschaft von Studierenden erwartet. Im Zentrum stehe die Fähigkeit, Dinge vorwärtszutreiben. Ein wichtiges Element sei jeweils die Beteiligung externer Partner und die Bearbeitung realer Aufgaben. Die Teilnehmer waren sich einig, dass nicht die Anzahl gegründeter Start-ups entscheidend sei, sondern wie viele Studierende gelernt haben, unternehmerisch zu denken. Studienabgänger mit diesen Fähigkeiten sind für die Innovation in Schweizer Unternehmen wichtig.

Das Fazit der Veranstaltung: Es gibt an Schweizer Hochschulen viele Programme zur Förderung von Entrepreneurship. Vielfach ist es aber schwierig, die kritische Masse zu erreichen, was für mehr Kooperation spricht. Die Hochschulen sollen voneinander lernen, statt alles von Null selbst aufzubauen. In diesem Sinne regte Eliav Haskal an, eine Community aufzubauen und in Kontakt zu blieben. Er werde die Teilnehmenden nach der Auswertung der Umfrage dafür kontaktieren. «I hope, we see collaborative projects emerge from this event.»

Auskunft
Marc Pauchard, Co-Präsident ASI & Associate Director, Adolphe Merkle Institute, Tel. +41 26 300 91 71, marc.pauchard(at)unifr.ch
Adrian Sulzer, Leiter Kommunikation und Marketing, Tel. +41 44 226 50 27, adrian.sulzer(at)satw.ch

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