13. Oktober 2017

Tage der Technik – Die Fabrik der Zukunft

Beatrice Huber - Advanced Manufacturing

 

Am 4. Oktober fand die Hauptveranstaltung der diesjährigen Tage der Technik an der Empa Akademie in Dübendorf statt. Das Thema war «Fabrik der Zukunft – Herausforderungen für Mensch und Technik». 

Wiederum konnten sich Swiss Engineering, die Empa Akademie und die SATW, die Organisatoren der Tage der Technik, über ein volles Haus mit mehr als 200 Teilnehmenden freuen. Beat Dobmann, Zentralpräsident Swiss Engineering, bemerkte in seiner Begrüssung denn auch, dass es wohl auch dieses Jahr wieder gelungen sei, ein attraktives Programm zusammenzustellen. Zum Thema der Veranstaltung stellte er die Frage, was wir heute tun müssen, damit wir dereinst im Rückblick Digitalisierung als eine gute Entwicklung ansehen. Und forderte die Anwesenden auf: Lassen Sie sich nicht täuschen!

Dr. Urs Leemann, Direktionsmitglied, zitierte in seinem Grusswort aus der Mission: Die Empa betreibt anwendungsorientierte Spitzenforschung zum Nutzen der Industrie und zum Wohle der Gesellschaft. Aber wer definiert dieses Wohl? Durchaus nachdenkliche Worte zur Digitalisierung, einem Thema, über das es noch viel nachzudenken gibt.

 

Industrie 4.0: Hype oder logische Konsequenz

Im ersten Referat stellte sich Prof. Konrad Wegener von der ETH Zürich der Frage, ob Industrie 4.0 nun ein Hype oder eine logische Konsequenz sei. Dabei berichtigte er gleich zu Beginn, dass es für ihn keinen Ausstieg aus der Rationalisierung gibt. Mit Industrie 4.0 meint Konrad Wegener die konsequente Umsetzung der technischen Möglichkeiten des Internets in der betrieblichen Leistungserstellung.

Dabei ist das gar nichts Neues. Zustandsmonitoring als Beispiel gibt es schon lange. Neu ist, dass für das Monitoring alltägliche Benutzergeräte wie das Smartphone verwendet werden. Und die riesigen Datenmengen: Daten seien das Gold der Zukunft. Man müsse etwas damit machen. Daten haben wir mehr als genug, aber dass jeder die Information bekommt, die er gerade benötigt, das ist die grosse Herausforderung.

Hype oder logische Konsequenz: Man müsse erkennen, dass Industrie 4.0 ein Entwicklungsschritt und nicht der Endgegner ist. Mit Industrie 4.0 eröffnen sich Möglichkeiten, die ohne nicht gehen. 

 

Synthese Mensch und Technik im Formel-1-Business

Thomas Mayer berichtete aus seinen Erfahrungen in der Formel 1. Eine sehr spezielle Welt, in der alles ein bisschen grösser ist. Die Formel 1 produziert Autos, aber verkauft diese nicht, denn sie verkauft Emotionen. Die Rennboliden sind heute extrem schnell und extrem sicher. «Wenn Sie mit 300 km/h in die Wand fahren, dann steigen Sie unverletzt aus.» Der Aufwand für die Entwicklung ist gigantisch: Für jedes Rennen wird ein neues Auto gebaut. Ungefähr 200 Sensoren am Fahrzeug liefern Daten für 2000 Statistiken. Diese werden für Verbesserungen genutzt. Jedes Auto hat einen digitalen Zwilling, in dem alles bis auf die Schraube modelliert ist. 3D-Druck wird in der Formel 1 bereits seit 15 Jahren genutzt. Heutzutage werden Teile aus Titan in den Autos eingesetzt, die dann Rennen fahren. 

Frage aus dem Publikum: «Braucht es den Fahrer noch?» Mayer: «Also das Fahrzeug könnte autonom fahren, aber das ist nicht erlaubt. Heute ist etwa 40 Prozent der Fahrer und 60 Prozent das Auto für den Erfolg verantwortlich.»

 

Die Zukunft der mobilen Robotik

Auch um die Zusammenarbeit von Mensch und Technik – genauer um mobile Roboter – ging es beim Vortrag von Prof. Marco Hutter von der ETH Zürich. In der industriellen Fertigung sind Roboter heute weit verbreitet. Aber im Alltag? Vielleicht als Staubsauger oder als Rasenmäher. Warum ist das so schwierig? Die Herausforderung liegt in der Interaktion mit dem Alltag, d.h. den Menschen und der Umgebung. Der Roboter muss sehen, fühlen und verstehen, damit dies klappt.

Marco Hutter stellte sein Projekt ANYmal vor. Vorbild für den vierbeinigen Roboter sind Tiere. Er kann auf unebenen Oberflächen gehen, Treppen steigen und auch ein Fusstritt bringt ihn nicht aus dem Gleichgewicht. Interessant sind solche Roboter für Einsätze, wo es extrem teuer oder extrem gefährlich ist, Menschen hinzuschicken. Inspektion von Öl- und Gasplattformen oder für Suche und Rettung, z. B. nach Erdbeben und bei Bränden. 

 

Vom Prototypenbau zur individuellen Produktion

Nach der Kaffeepause sprach Prof. Patrick Hoffmann, von der Empa in Thun, über Direktschreiben – vom Prototypenbau zur individuellen Produktion. In der Industrie der Zukunft produzieren die Roboter für sich alleine. So kann vieles besser kontrolliert werden. Der Mensch geht nur in Produktionshallen, wenn Wartung angesagt ist. Doch KMU’s werden wohl auch in Zukunft nicht voll automatisieren. Es wird also immer zu Interaktionen zwischen Mensch und Maschine kommen. Und hier ist die Flexibilität des Menschen gefragt. Genau diese Kompetenz müssen wir ausbilden. Im 3D-Druck sind heute schon erstaunliche Dinge möglich. Patrick Hoffmann zeigt das Beispiel eines Turboprop-Triebwerks, das mit 3D-Druck produziert wird. Statt 850 sind es nur noch 12 Teile. Doch beim 3D-Druck mit Metall ist noch vieles unklar. Wie genau gehen diese Prozesse. Patrick Hoffmann berichtete aus seiner Forschung, die schon vieles klären konnte.

 

Mehr Menschenverstand

Vor dem Netzwerk-Apéro bildete schon fast als schöne Tradition ein Vortrag den Abschluss, der über den Tellerrand schaut. Diesmal sprach Dr. Stephan Sigrist vom Think Tank W.I.R.E. darüber, warum wir in der 4. Industriellen Revolution mehr Menschenverstand brauchen. Das grosse Rauschen produziert riesige Datenmengen, aber schaffen wir daraus auch Innovation? Stephan Sigrist appelliert dafür, bei der Gestaltung der Zukunft breiter zu denken.

Da gäbe es einerseits die offizielle Zukunft, in der alles im Alltag vermessen werde. Diese Zukunft automatisiere Prozesse und Arbeitsstellen. Je repetitiver diese sind, desto eher. Es ist die Vision des perfekten Kapitalismus. Und dann gibt es da noch die inoffizielle Zukunft. Nur schon die technischen Limitationen bei der Analyse von Big Data: «Wir müssen wissen, wonach wir suchen, sonst finden wir in Big Data nichts. Zudem sind autonome Systeme bei vielen Parametern schnell überfordert. Wir haben also mehr Gestaltungsfreiraum, aber auch mehr Komplexität.»

Für die Schweiz sieht Stephan Sigrist eine eigene Vision jenseits des Silicon Valleys. Die digitale Transformation beginnt im Kleinen. Wir müssen die Leute darauf vorbereiten, was sie morgen können müssen, ohne dass wir wissen, was das ist. 

Motto für die Zukunft: «Flexibel bleiben und sich nicht täuschen lassen.»

Auskunft 
Beatrice Huber, Communications Manager, Tel. +41 44 226 50 17, beatrice.huber(at)satw.ch

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