05. April 2018

«Äpfel mit Äpfeln vergleichen»

Beatrice Huber - Energie

An einer gut besuchten Vernissage präsentierte die SATW ihren Mitgliedern die neue Studie zur Gesamtenergiebilanz von Stromerzeugungstechnologien.

Es ist ein grosses Anliegen der SATW, die Diskussion darüber zu versachlichen, wie in Zukunft die Stromproduktion in der Schweiz aussehen soll. Deshalb hat sie bereits einige wissenschaftliche Studien dazu in Auftrag geben. Am 3. April wurde nun anlässlich einer Vernissage die dritte Studie vorgestellt. Diese vergleicht die Gesamtenergiebilanz verschiedener Technologien zur Stromerzeugung nach einer einheitlichen Methodik.

Wasserkraft als Vorteil für die Schweiz
SATW-Präsident Willy Gehrer wies in seiner kurzen Einführung darauf hin, dass es zwar viele Studien gäbe, aber dass die Vergleichbarkeit nicht gegeben sei. Er nahm auch gleich das wichtigste Ergebnis vorweg: «Erneuerbare sind spitze.» Die Schweiz hat einen riesigen Vorteil dank der Wasserkraft und staatliche Förderprogramme wie die KEV sind wichtig. Diese zentralen Erkenntnisse führten doch zu einigen erstaunten Gesichter im Publikum.

Prof. Tobias S. Schmidt von der ETH Zürich präsentierte die Studie im Detail. Für die abschliessende Fragerunde kamen auch SATW-Präsident Willy Gehrer und die Co-Autoren Dominique Hischier und Bjarne Steffen mit nach vorne.

In der Studie ging es um eine reine Energiebetrachtung – ohne Betrachtung der Kosten – anhand von zwei unterschiedlichen Indikatoren. Damit sollten zwei Ziele erreicht werden. «Einerseits wollten wir Äpfel mit Äpfeln vergleichen», illustriert Tobias Schmidt das erste Ziel, denn sie haben erstmals einen einheitlichen Ansatz und die gleichen Annahmen für alle Produktionstechnologien verwendet. «Anderseits wollten wir auch einen Blick in die Zukunft wagen.» Dies sei zwar gemäss dem berühmten Sprichwort schwierig, doch die Vergangenheit lehre, dass die Technologien von heute nicht die Technologien von morgen sein müssten. Dies zeige schön das Beispiel der Photovoltaik mit den gewaltigen Kostensenkungen in den letzten Jahren. Diese waren möglich, weil die Technologie besser geworden ist.

Zwei Indikatoren für Gesamtbilanz
Dann folgte die etwas trockene, aber wichtige Einführung in die Indikatoren. Einerseits wurde der so genannte nr-CED berechnet, der den kumulierten Bedarf an nicht erneuerbarer Energie zeigt. Je tiefer der Wert ist, desto besser ist die Technologie punkto Gesamtenergiebilanz. Anderseits wurde der so genannte EROI errechnet, der das Verhältnis des produzierten Stroms zur investierten Energie beschreibt. Das heisst, je grösser der Wert ist, desto besser ist die Technologie. Beide Indikatoren haben ihre Nachteile, die sich durch Kombination aufwiegen. Für die dynamische Betrachtung und damit den Blick in die Zukunft wurden Lernkurven verwendet. Aus Kostenbetrachtungen ist bekannt, dass diese am verlässlichsten sind.

Alle Technologien sind positiv
Das Gute vorweg: Alle betrachteten Technologien haben einen EROI über 1 und sind damit «Energiequellen». Beim nr-CED schneiden Erneuerbare und Nicht-Erneuerbare wenig überrascht sehr unterschiedlich ab. Bei beiden Indikatoren schwingt die Wasserkraft weit oben aus, was vor allem die kombinierte Darstellung von nr-CED und EROI zeigt. Bei der dynamischen Betrachtung konnten nicht alle Technologien berücksichtigt werden, da schlicht die Daten für die Lernkurven fehlen. Die untersuchten Erneuerbaren belegen die Spitzenplätze und werden noch besser.

                
Kilowattstunde ist Kilowattstunde

Für die abschliessende Fragerunde kamen dann mit Dr. Bjarne Steffen und Dominique Hischier auch die weiteren Autoren mit nach vorne. Eine erste Frage ging darum, warum denn der nr-CED betrachtet wurde. Eine Kilowattstunde sei doch eine Kilowattstunde. Dieser Aussage pflichteten die Autoren bei. Bei der reinen Energiebetrachtung spiele das keine Rolle. Wenn allerdings der Verbrauch von Ressourcen eingezogen werde und das sei in der politischen Diskussion und im Hinblick auf die begrenzten Ressourcen der Fall, dann sei erneuerbar oder nicht-erneuerbar aber entscheidend.

Wo geht die Energie verloren?
Zudem gab der EROI von Gaskombikraftwerken im Vergleich zu Kohlekraftwerken zu reden, denn Gaskombikraftwerke sind wesentlich effizienter als Kohlekraftwerke. Dieses Resultat hat auch die Autoren überrascht. Allerdings gebe es gute Gründe dafür. Negativ ins Gewicht fallen bei Gaskombikraftwerke der Transport des Gases, denn die Verluste in Pipelines sind teilweise sehr hoch. Zudem sind die Volllaststunden bei Gaskombikraftwerke und Kohlekraftwerken sehr unterschiedlich. 

Impression aus der gut besuchten Vernissage
                
Weiter gab die Wasserkraft zu reden, da man dort zwischen Produktions- und Speichertechnologie sauber trennen muss. Schliesslich wurde noch die Datengrundlage diskutiert. Die Autoren betonten, dass es ihnen sehr wichtig gewesen sei, sehr transparent bei den Daten zu sein. Eine letzte Frage ging darum, wie die Bilanz aussehen würde, wenn die Netze also die Stromverteilung dazu genommen würden. Hier winkten die Autoren ab. Dazu wären zu viele Annahmen nötig, da kein Netz nur für eine Technologie gebaut werde.

Offene Fragen für weitere Studien
Die Autoren werden nun noch ein wissenschaftliches Paper zum dynamischen Teil der Studie verfassen. Und der SATW zeigte der Abend, dass es immer noch offene Fragen zur Zukunft der Stromversorgung gibt, die in kommenden Studien beantwortet werden können.

SATW-Studien zu Energie

Auskunft
Beatrice Huber, Kommunikation und Marketing, Tel. +41 44 226 50 17, beatrice.huber(at)satw.ch

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