06. Juni 2017

«Technology Outlook 2017» den SATW-Mitgliedern vorgestellt

Adrian Sulzer - Früherkennung

Am 31. Mai 2017 wurde der «Technology Outlook 2017» offiziell veröffentlicht. Ab 18:00 Uhr wurde der Report interessierten SATW-Mitgliedern persönlich vorgestellt. Drei der Autoren ermöglichten in ihren Referaten einen Ausblick auf künftige Entwicklungen.

Rund 25 SATW-Mitglieder waren am 31. Mai in der Lebewohlfabrik in Zürich dabei, als der Technology Outlook 2017 (TO) vorgestellt wurde. SATW-Präsident Willy Gehrer begrüsste die Anwesenden bei sommerlichem Badewetter. Bereits der erste TO im Jahr 2015 weckte grosses Interesse seitens Behörden, Verwaltung und Wirtschaft. Bundesrat Johann Schneider-Ammann lud die SATW damals ein, ihm den Bericht persönlich vorzustellen. Gemäss Prof. René Dändliker, Präsident des Wissenschaftlichen Beirats und Projektleiter (gemeinsam mit Dr. Claudia Schärer), sei es ein wichtiges Ziel, mit dem Bericht die Politiker zu erreichen. So sei er glücklich, diesen bereits dem Zuger Volkswirtschaftsdirektor vorgestellt zu haben. Voraussichtlich wird er ihn der ganzen Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz präsentieren dürfen. Er bedankte sich bei Claudia Schärer für die geleistete Arbeit und zeigte auf, wie der Früherkennungsprozess der SATW funktioniert.

Technologien mit grossem Potenzial

In ihren Kurzreferaten stellten drei der über 20 Autoren des TO Schlüsseltechnologien vor: Prof. Peter Seitz begann mit seiner Präsentation über smarte Sensoren. Weltweit werden pro Sekunde über zehn Billionen (!) Transistoren hergestellt. «Was in diesen Mengen produziert wird, kann nicht so teuer sein.» In der Tat ist der Preis in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken und eine ähnliche Entwicklung sei auch bei Sensoren zu erwarten. «Jeder trägt in seinem Smartphone rund 20 Sensoren mit sich, die zumeist auf moderner Halbleitertechnik basieren.» Das Problem dieser Menge an Sensoren: Zu viele Daten. 90 Prozent aller Daten, die in den letzten zehn Jahren gesammelt wurden, seien nie analysiert worden. Zudem: Die Datenübertragung halte mit der Datenproduktion nicht Schritt, was den Siegeszug der Cloud bremsen dürfte. Die Lösung: Smarte Sensoren, die Daten nicht nur sammeln, sondern auch lokal verarbeiten. Er zeigte auf, dass sich mit dem Internet of Things (IoT) bis 2024 voraussichtlich rund 400 Milliarden Dollar verdienen lassen werden, 45 Milliarden alleine mit Smarten Sensoren. Doch damit die IoT-Revolution stattfinden kann, braucht es Ingenieure. Ingenieure, die es gewohnt sind, in interdisziplinären, komplexen Projekten zusammenzuarbeiten. Ingenieure, wie man sie in der Schweiz findet. Die Diskussion im Anschluss drehte sich weitgehend um die Start-up-Kultur in der Schweiz, die von den Anwesenden sehr unterschiedlich beurteilt wurde.

 

Robotik als Schweizer Kernkompetenz?

Prof. Dr. Roland Siegwart sprach anschliessend in seiner Präsentation über die Intelligenz und Autonomie von Robotern. Spannend werde es künftig überall dort, wo physische und virtuelle Welt zusammenkommen. Während es beim IoT darum gehe, die physische Welt mit Daten anzureichern, ermögliche die Robotik die Sichtbarmachung von Daten in der realen Welt. Zunächst zeigte er auf, wo Roboter gegenüber Menschen noch Defizite haben, beispielsweise bei der Taktilität. Andererseits veranschaulichte er anhand von Videos hochspezialisierter Roboter, was bereits heute alles möglich ist. Die Robotik lässt sich vermehrt von der Natur inspirieren, wobei die Elastizität ganz entscheidend sei. Auch Technologien wie Visual-Inertial Motion Estimation oder Deep Learning ermöglichen interessante Anwendungen in der Robotik. Wie sich der Bereich weiterentwickeln werde, hänge von zahlreichen Faktoren ab. Roland Siegwart rechnet beispielsweise nicht damit, dass «Autonomes Fahren» unter realen, urbanen Bedingungen vor 2030 Realität wird.

Die Schweiz verfüge aber über eine Vielzahl an Initiativen, Spin-offs und industriellen Kollaborationen im Bereich Robotik, so dass er damit rechnet, dass unser Land künftig eine grosse Rolle spielen werde. «Wir haben die grösste Dichte an vielversprechenden Robotik-Start-ups und prozentual verlassen mehr hochqualifizierte Fachleute unsere Hochschulen als im Silicon Valley.» Gemäss Times Higher Education Ranking liege die ETH bei Robotik und Informatik weltweit an der Spitze. Die Robotik boome im Moment, doch Roland Siegwart warnt auch vor überzogenen Erwartungen: «Es braucht Zeit, genügend Talente sowie mehr Risikobereitschaft und langfristiges Risikokapital.» Doch werden Roboter den Menschen letztlich nicht die Arbeit wegnehmen? Das befürchtet er nicht. Es gäbe viele Aufgaben, die bevorzugt von Roboter erledigt werden sollten.

 

Präzision made in Switzerland

Dr. Bernhard Braunecker zeigte im abschliessenden Referat neue Möglichkeiten von Pulslasern auf. So eröffnen Femtosekunden-Laser dank ihrer unglaublichen Präzision und Leistung ganz neue Anwendungen in der Oberflächenbehandlung. Dank der extrem kurzen Pulsdauer solcher Laser erhält man perfekte Oberflächen ohne Oxidations-Artefakte. Wichtige Anwendungen sind unkonventionelle Bohrungen in Turbinenschaufeln oder Einspritzdüsen, Strukturierungen von Stents oder funktionelle Oberflächen mit Mikrostrukturen, wie bei Halbleitern. «Überall, wo höchste Oberflächengüte nötig ist, sind solche Laser gefragt». Anhand einiger Beispiele erklärte er, wie solche Laser mit fortschrittlicher Optik und integrierten, simultan messenden Sensoren optimal kombiniert werden können. Die Schweiz verfüge auf diesen Gebieten über hochspezialisierte Firmen, die zur Weltspitze gehören. Durch die Kombination der Kompetenzen könnten diese ihre Spitzenpositionen verteidigen, wenn nicht gar ausbauen. In Bezug auf fortschrittliche optische Systeme und deren Möglichkeiten sprach er mit einem Augenzwinkern bereits von der «Industrie 5.0.»

 

Beim Apéro wurde intensiv über den Report diskutiert. Dabei wurde klar: Die vorgestellten Technologien dürften in den nächsten Jahren viel zu reden geben.

 

Auskunft:

Adrian Sulzer, Leiter Kommunikation und Marketing, Tel. +41 44 226 50 27, adrian.sulzer(at)satw.ch

Claudia Schärer, Projektleiterin Technology Outlook, Tel. +41 44 226 50 20, claudia.schaerer(at)satw.ch 

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